Freitag, 15. Juni 2012

Der wandelnde Tod

Ich bin immer wieder erstaunt wie aufwendig und stimmungsvoll einige Serie heut zu Tage produziert werden. Zwar verringert sich dadurch meist die Anzahl an Episoden pro Staffel, trotzdem Wahnsinn was man dafür manchmal auf dem Bildschirm präsentiert bekommt.

„The Walking Dead“

Dies ist der Titel der hier heut besprochenen Serie und dabei trifft der Begriff Wahnsinn gleich auf mehrere Arten zu. Doch kommen wir wie immer erst einmal zu einem kurzen Storyausblick.

Rick Grimes ist Hilfssherriff in King Country einer eher verschlafenen Kleinstadt in den USA. Zusammen mit seinem Kollegen Shane Walsh versieht er in der Regel einen ruhigen Dienst. Als es eines Tages jedoch zu einer Verfolgungsjagd kommt, ist Rick ganz vorn mit dabei, als man die Täter mit dem Auto stoppen und stellen kann. Durch eine unbedachte Bewegung fängt er sich dabei jedoch eine Kugel ein und fällt schwer verletzt ins Koma.
Als er daraus aufwacht, ist eine nicht näher benannte Zeit verstrichen. Im Krankenhaus in dem er liegt, herrscht wortwörtlich eine Totenruhe. Als Rick sich aus dem Krankenzimmer befreit hat, findet er die Gänge des Hospitals über und über mit Leichen gepflastert. Viele weisen bestialische Bissverletzungen auf, der andere Teil scheint unnatürlich entstellt.
Auch vor dem Krankenhaus schaut es nicht besser aus. Zwischen bestialischen Verwesungsgestank und Bergen an Leichen trifft Rick dabei erstmals auf scheinbar lebendige Wesen. Der Schein trügt jedoch. Herunterhängende Hautfetzen, glasige Augen und fehlende Körperteile sprechen eine deutliche Sprache, diese Menschen können nicht mehr am Leben sein. Aber was ist passiert? Wo sind seine Freunde, seine Familie?
Um darüber nachzudenken bleibt Rick jedoch nicht viel Zeit. Scheinbar durch den Geruch eines Lebenden angelockt, strömen die Untoten im Dutzend aus den Seitenstraßen und Hauseingängen. Überleben heißt von hier an die Hauptdevise und wenn dann noch Zeit bleibt, das Forschen nach Ursachen.

Was bereits in der Beschreibung ziemlich widerlich klingt, wird auch mit den Bildern dieser sehr aufwendig produzierten Serie unterstrichen. Was bereits in der Pilotepisode an Blut fließt, Körperteile abgetrennt werden und Menschen sterben, spottet allem bisherigen. Der Gewaltlevel in der Serie ist allgemein sehr hoch. Auch wenn die deutsche DVD-Box bereits eine FSK18 Einstufung erhalten hat, beinhaltet sie gegenüber dem Original noch immer Schnitte. Dies ist jedoch in Ordnung. Trotzdem wird hier nämlich geköpft, gemeuchelt und gestochen was das Zeug hält. Der Kopfschuss gehört (handlungsbedingt) zum guten Ton und auch vor Kindern wird nicht Halt gemacht.
Ich gebe ehrlich zu, in der Mitte des Pilotfilms hätte ich am liebsten abgeschalten, wäre da nicht die Handlung gewesen!
Diese hält nämlich auch den angewiderten Zuschauer durchaus bei der Stange. Die Szenen sind enorm aufwendig ausgearbeitet. Die Umgebung, die Stimmung der Serie erdrückend und gleichzeitig mitreißend. Man möchte einfach wissen ob die Hauptpersonen den Zombies entkommen können und stolpert dabei auf zwischenmenschliche Reibereien, die man so nicht erwartet hätte. Klar, hinter jeder Ecke erwartet einen ein Untoter, da liegen die Nerven halt blank. Hinzu kommen Rassismus, Liebe, Verzweiflung und natürlich die Hoffnung.

Ich habe die gerade einmal sechs Episoden umfassende erste Staffel der Serie mit Faszination und Eckel durchgestanden und schwanke ein wenig zwischen Abscheu und Begeisterung. Fakt ist, die Serie ist nichts für sanfte Gemüter, auch sollte man tunlichst seine Kinder ins Bett schicken, bevor man die DVD einlegt, sonst gibt es Alpträume. Trotzdem, wenn man nicht all zu leicht besaitet ist, unbedingt anschauen!

Bin gespannt auf die zweite Staffel. Aufgrund des Erfolges wurden nämlich 13 weitere Episoden produziert. Ob man darin den Spannungsbogen aufrecht erhalten kann, ohne in Trash und Gewalt abzurutschen? Schauen wir mal!

P.S. Für die erste Staffel der Serie gab es im Jahr 2010 eine recht makabere Werbekampagne. Die Produktionsfirma ließ in 24 Großstädten weltweit, Schauspieler als Zombies schminken und durch die Innenstädte ziehen. Eine dieser Städte war neben New York, Tokyo und London auch München.





Donnerstag, 14. Juni 2012

Animierte Spielwiese

Was passiert wenn man mehrere hoch begabte Anime-Regisseure einlädt ohne jeglichen Einfluss und ohne finanziellen Druck einen Kurzfilm zu produzieren?
Dieses Experiment gab es bereits mehrfach, jedoch meist unter der Prämisse, ein ganz bestimmtes Thema zu verfolgen. Beispiele hierfür sind die „Animatrix“ Kurzfilme oder ein ähnlich gelagertes Projekt „Batman – Gotham Knight“ entsprechend zum dunklen Fledermausmann.

„Genius Party“

Ist ebenfalls eine Sammlung von sieben Kurzfilmen. Diesmal hat das federführende „Studio 4°C“ den Machern kein Thema vorgegeben. Völlige kreative Freiheit zwischen fünf und zwanzig Minuten lang. Heraus gekommen sind ganz unterschiedliche Zeichenstile, Handlungen und Denkansätze.


Genius Party
Eine bunte, abstrakte, ja fast schon psychodelische Collage von Farben, Licht und Formen. Wer Kunst mag ist hier gut aufgehoben

Shanghai Dragon
Was wäre wenn es ein Instrument geben würde, dass alle Gedanken und Ideen in echte Gegenstände umwandeln könnte und dieses in die Hände eines sechsjährigen Kindes fallen würde?
Sehr gutes Charakterdesign, gepaart mit tollen Zeichnungen und einer Science Fiction Handlung.

Deathtic 4
Die Welt ist tot! Nein wirklich tot! Überall leben – in gut bürgerlichen Verhältnissen – nur noch Zombies. Mutter kochen ihre untote Nudelsuppe während die Zombie-Kids in die Schule gehen. Was aber passiert wenn in einer solchen Welt ein lebendiger Frosch auftaucht?
Vom Stile einem Puppenfilm nicht ganz unähnlich, fallen die qualitativ hochwertigen Hintergrundzeichnungen und das außergewöhnliche Charakterdesign auf. Die Handlung selbst nimmt sich nicht ganz so ernst.

Doorbell
Was wäre wenn es mich nicht nur einmal gäbe? Würde ich immer dasselbe tun? Würde ich manche Dinge vielleicht beim zweiten Mal anders machen?
Mit einem sehr realistischen Figurendesign wird hier schon fast einer philosophischen Frage auf den Grund gegangen.

Limit Cycle
Unsere Welt besteht nur aus Zahlen und Buchstaben. Jeder interpretiert hinein, was er denkt.
Für mich das absurdeste Werk der Kurzfilmsammlung. Fast 15 Minuten wird man mit bunten Bildern und einem pseudo psychologischen Gequatsche malträtiert.

Happy Machine
Was wäre wenn ich als Baby aufwache und mich in einer menschenleeren Welt wiederfinden würde?
Interessant an diesem Film sind die minimalistischen Zeichnungen im Bleistiftstil sowie die in sich geschlossene Handlung in nur knapp zehn Minuten.

Baby Blue
Warum nicht einmal einen Tag die Schule vergessen, aus dem Alltag ausbrechen und sich einfach auf eine Reise begeben? Undenkbar für japanische Jugendliche zwischen Lernpensum und Leistungsdruck.
Der realistischste Film der gesamten Sammlung. Die Zeichnungen sind sehr hochwertig und entsprechen fast Kinoniveau aktueller Mainstream Produktionen. Die Story ist sehr ansprechend und ließe sich problemlos zu einem abendfüllenden Film ausbauen. Mein Favorit bei der Sammlung!

Alles in allem ist „Genius Party“ ein interessantes Experiment. In erster Linie wenn man Kurzfilme mag. Natürlich gefallen einem nicht alle Werke, trotzdem sind einige Perlen dabei.
Interessant, so könnten also Filme ausschauen wenn es keine großen Produktionsfirmen und Studiobosse geben würde.
Sicher ist „Genius Party“ nicht für den großen Kinoabend gedacht, vielmehr für eine ruhige Minute in der man auch mal was anderes sehen möchte. Von meiner Seite vier Sterne für dieses mutige Experiment!


Samstag, 9. Juni 2012

Monster zur EM

Natürlich kann auch ich mich in filmischer Hinsicht nicht der Fußball Europameisterschaft entziehen. Wie Ihr Euch aber sicherlich denken könnt, gehe ich diese Sache ein wenig anders an und frage an dieser Stelle absichtlich: „Monster zur EM?“
Was aber haben Monster mit der Europameisterschaft zu tun oder was haben sie gemeinsam? Die Antwort ist ganz einfach - Milla Jovovich.

„Lucky Trouble“

So heißt ein bereits im Jahr 2011 in den deutschen Kinos gezeigter Film aus Russland, welcher sich intensiv mit dem Thema Fußball beschäftigt. In einer der Hauptrollen, Milla Jovovich.

Slava (Konstantin Khabenskiy) ist Lehrer in einer kleinen verschlafenen Stadt in Russland. Als Dorflehrer ist er geachtet und geschätzt, trotzdem zieht es ihn in die Großstadt, genauer gesagt nach Moskau. Dort möchte er sich als anerkannter Autor einen Namen machen. Noch bevor ihm dies aber gelingt, wird er dort von der schönen Nadya (Milla Jovovich) über den Haufen gefahren. Diese befindet sich gerade auf dem Weg zu ihrer Hochzeit. Als Nadya und Slava aufeinander treffen, funkt es jedoch sofort zwischen den beiden. Nadya sagt kurzerhand ihre Hochzeit ab. Nach kurzem Kennenlernen, beschließen Nadya und Slava den Bund fürs Leben einzugehen. Doch da gibt es Komplikationen. Slava muss nämlich noch einmal in sein Heimatdorf um sich dort entsprechende Papiere zu besorgen und auch endgültig den Job als Lehrer an den Nagel zu hängen.
Zu Hause steht jedoch in der Schule eines der wichtigsten Nachwuchsturniere im Fußball an und die resolute Direktorin der Schule ist nicht bereit Slava so einfach gehen zu lassen. Kurzerhand werden ihm sämtliche Papiere abgenommen unter der Prämisse, diese erst wieder zu bekommen wenn das Fußballturnier zu Ende ist.

Zur hier beschriebenen Grundhandlung gesellen sich neben der Hochzeit noch andere Aspekte wie Betrüger, Wetten und der Handlungsbogen um einige Straßenkinder und immer mitten drin Nadya, die alle Hochzeitsgäste bei Laune halten muss, bis Slava endlich erscheint.
Insgesamt kommt mit „Lucky Trouble“ eine erstaunlich frische Komödie daher, welche gerade jetzt hervorragend zur EM passt. Soviel Professionalität erwartet man vom russischen Kino gar nicht. Genauso wenig wie eine Milla Jovovich in einer Komödie, da diese eher durch ihr Mitwirken in den Monsterfilmen der „Resident Evil“ Reihe bekannt geworden ist. An ihrer Seite der ebenfalls gut spielende Konstantin Khabenskiy, welchen viele sicherlich noch aus „Wächter der Nacht“ kennen sollten.
Trotz vieler guter Ansätze und den beiden parallel verlaufenden Handlungssträngen wirkt der Film auf Dauer dann doch etwas zu vorhersehbar. Die Geschichte um eine hoffnungslos unterlegene Sportmannschaft, welche plötzlich unter widrigsten Umständen aufdreht, gab es leider schon einmal zu oft. Auch „Lucky Trouble“ schafft es da nicht neue Perspektiven einzubringen.

So bekommt man am Ende zwar eine locker luftige Komödie im Stil von „Shaolin Kickers“ mit einer attraktiven Hauptdarstellerin und dies aus einem Land wo man solche Filme ansonsten nicht vermutet. Mehr aber auch nicht.
Kurze Unterhaltung für Zwischendurch, gut geeignet mit der ganzen Familie sowie den Kindern.



Freitag, 8. Juni 2012

Horror im Hochhaus

Als ich mich in der gestrigen Nacht, dazu aufraffte endlich mal wieder einen schönen Kinofilm zu schauen, war ich zugegeben bereits ziemlich müde.
Ich dachte mir, entweder ist der Film gut und du hältst bis zum Ende durch oder es ist eine Gurke und nach den ersten zehn Minuten liegst Du im Tiefschlaf. Ich kann schon einmal so viel verraten, ich habe bis zum Schluss durchgehalten, meine Augen waren fest verwurzelt an Los Angeles

"Skyline"

Jarrod und Elaine sind mit dem Flugzeug auf dem Weg nach Los Angeles. Dort wollen sie Jarrods Freund Terry zum Geburtstag besuchen. Terry ist seit seiner Schulzeit mit Jarrod zum erfolgreichen Filmschaffenden aufgestiegen und hat gelinde gesagt Geld wie Heu. In einem noblen Hochhauskomplex wird dann auch eine kräftige Sause gefeiert. Champagner, heiße Mädels und fette Mucke – Terry lässt es richtig krachen.
Ausgepowert vom Feiern, schlafen Elaine und Jarrod ein. Mitten in der Nacht werden sie jedoch von einem gleißenden Licht geweckt. Überall in der Stadt scheinen blau strahlende Leuchtfeuer vom Himmel gefallen zu sein.
Erschreckt müssen die Freunde jedoch feststellen, dass dieses grelle Licht scheinbar eine hypnotische Wirkung auf die Menschen hat. Wer auch immer direkt in das Licht schaut, verspürt plötzlich den Wunsch im Licht aufzugehen. Terry, Jarrod und Elaine beschließen sich erst einmal im Apartment zu verschanzen und die Lage zu beobachten.
Als am zweiten Tag dann aber noch riesige Raumschiffe durch die Wolkendecke brechen, spaltet sich die Gruppe der Freunde in zwei Lager. Die einen meinen das Flüchten aus dem Wolkenkratzer wäre angebracht, Elaine denkt jedoch in der Wohnung in Sicherheit zu sein. Ein spannender Wettlauf gegen die Zeit und vor allem gegen die überall hervor brechenden Aliens beginnt.

Wie bereits eingangs erwähnt hat mich der Film trotz großer Müdigkeit bei der Stange gehalten. Dies lag aber vor allem an den gut gemachten Schockeffekten sowie dem durchgehend hohen Tempo, welches der Film anschlägt. Man könnte sagen Horroraction am laufenden Band. Da bleibt kaum Zeit zum nachdenken.
In Anbetracht der Handlung scheint die wenige Zeit zum Denken jedoch angebracht. Die Story gestaltet sich meiner Meinung nach, mehr als holprig. Hintergründe werden schlecht, teils gar nicht, erläutert. Woher weiß Terry beispielsweise plötzlich dass die Gruppe hinaus aufs Wasser fliehen muss, da die Außerirdischen dort nicht hin kommen? Ein weiterer Kritikpunkt ist die Logik im Film, auch diese kommt zu kurz. Um bei der gleichen Szene zu bleiben, die Außerirdischen scheinen also ein Problem mit Wasser zu haben, trotzdem stapft eines dieser Viecher Sekunden später locker lustig durch den Pool der Hochhauskomplexes.
Wie gesagt, am besten man erwartet nicht allzu viel von der Handlung und konzentriert sich lieber auf den Horroraspekt des Films. Wer dies jedoch nicht lassen kann und doch ein wenig Wert auf Handlung legt, bekommt mit dem mehr als offenen Ende des Films den Todesstoß.
Bleibt abzuwarten ob, wie von den Regisseuren angekündigt, tatsächlich eine Fortsetzung in die Kinos kommt.

Ein Highlight des Film sind dagegen die Spezialeffekte. Hier braucht sich „Skyline“, welches gerade einmal 10 Millionen Dollar in der Produktion kostete, nicht vor großen Blockbustern zu verstecken. Die Aliens sehen toll aus und auch das Zerstörungsszenario in Los Angeles kommt überzeugend rüber.

Im Fazit kommt „Skyline“ leider nicht über den Status eines Lückenfüllers hinweg. Der Film weiß zwar durch sein hohes Tempo und den Horrorfaktor zu überzeugen. Für ein wenig Anspruch fehlt es jedoch zunehmend an Handlung, Kontinuität und Logik im Streifen. Insofern, durchaus für den Kinoabend mit Freunden auf dem Sofa geeignet, vor allem dann wenn sich die Freundin mal wieder angsterfüllt an einen klammern soll.
Für Liebhaber des anspruchsvollen Kinos jedoch eher ungeeignet.


Samstag, 2. Juni 2012

Geliebtes Leben

Die junge Chanda ist gerade mal 12 Jahre alt. Sie wächst in der südafrikanischen Provinz auf. Ihre Stadt, das Viertel in der sie wohnt – es ist zwar verarmt, gehört aber nicht zu den so genannten Slums. Chanda, geht regelmäßig zur Schule, kann lesen und auch schreiben.
Mit Hilfe der etwas wohlhabenderen Nachbarin Mrs. Tafa, kann Chanda mit ihrer Mutter Lilian und den drei jüngeren Geschwistern ein bescheidenes aber geregeltes Leben führen.
All dies ändert sich jedoch als ihre gerade einmal einjährige und damit jüngste Schwester stirbt. Ihre Mutter verfällt in tiefe Lethargie und auch körperlich scheint sie Zusehens abzubauen.
Schnell kommt in der intelligenten Chanda ein Verdacht auf, das Gespenst mit den vier Buchstaben geistert umher. AIDS. Doch niemand will es wahrhaben, keiner mag gar dieses Wort aussprechen. Die 12jährige muss miterleben wie tief Ausgrenzung und Verachtung auch in den ärmsten Schichten der schwarzafrikanischen Gesellschaft verankert ist.

AIDS – Nach realistischen Schätzungen trägt das Virus jeder fünfte dunkelhäutige Bewohner des afrikanischen Kontinents in sich. Selten beschäftigen wir Europäer uns auf Grund dieser erschreckenden Zahlen damit, welche gesellschaftlichen Probleme dies mit sich bringt.
Klar, viele haben sich schon einmal über den Krankheitsverlauf belesen, jeder weiß wie gefährlich die Krankheit ist, wie man sich davor schützt. Manch einer mag auch schon mal den ein oder anderen Euro für eine Spendenaktion für AIDS-Forschung ausgegeben haben.
Mit der gesellschaftlichen Komponente hat sich dagegen bisher kaum einer von uns befasst. Mich selbst möchte ich da nicht ausschließen. Wie gehen die Menschen untereinander mit der Krankheit um? Wie ertragen sie die Angst vor der Krankheit, wie gehen sie mit Betroffenen um?
„Geliebtes Leben“ gibt vor allem auf diese Fragen eine Antwort, nicht mehr oder weniger. Es soll nicht der Verlauf der Krankheit gezeigt werden oder der Zeigefinger gehoben. Der Film zeigt einfach nur wie in der südafrikanischen Provinz mit diesem Thema umgegangen wird.

Schauspielerisch wird der Film vor allem durch die Jungdarstellerin Khomotso Manyaka als Chanda getragen. Alles im Film wird aus ihrer Sicht erzählt und dabei macht Khomotso Manyaka eine hervorragende Figur. Aber auch Harriet Lenabe als Mrs. Tafa trägt einen großen Teil zum Film bei.

Beim Erzählfluss sollte man sich als Zuschauer nicht vom etwas langatmigen Beginn des Films täuschen lassen. Hat man zuvor beispielsweise einen Hollywood Blockbuster geschaut, wird man nur schwer in die scheinbare Trägheit der Erzählweise hinein finden. Dies ist aber von Nöten um den Mikrokosmos von Chanda erst einmal auszuarbeiten und dem Zuschauer näher zu bringen.
Alle Fäden laufen dann im letzten Drittel des Films zusammen und werfen ein nicht allzu rosiges Licht auf Teile der südafrikanischen Gesellschaft. Ich musste einige Male den Kopf schütteln, mich aber auch fragen wie wir – also ich und die Menschen in meinem Umfeld – in einer solchen Situation gehandelt hätten.

Insofern ist „Geliebtes Leben“ ein nicht leicht zu verarbeitendes Gesellschaftsdrama, welches in deutsch / südafrikanischer Koproduktion entstand. Der Streifen ist keinesfalls für den geselligen Kinoabend mit Freunden und Popcorn geeignet. Trotzdem sollte man ihn sich in einer ruhigen Minute anschauen. Anspruchsvolles Kino – zur richtigen Zeit.