Mittwoch, 5. September 2012

Segeln mit Schafen

Wer kennt sie nicht, die liebevollen Knetfiguren „Wallace & Gromit“, die Mitte der Neunziger Jahre erstmals in einigen animierten Kurzfilmen auftraten? Diese kamen so gut an, dass man einige abendfüllende Fortsetzungen und Ableger produziert. So etwa „Chicken Run – Hennen rennen“ aus dem Jahr 2000 oder gar eine Fernsehserie mit Shaun dem Schaf. Nun bläst Regisseur Peter Lord erneut zu einem Großangriff auf die Lachmuskeln mit:

„Die Piraten! – Ein Haufen merkwürdiger Typen“

Wir schreiben das 19. Jahrhundert. Auf den Weltmeeren wetteifern die großen europäischen Nationen untereinander um immer neue Kolonien, Seewege und Gebietsansprüche. Entdecker werden los geschickt, Länder entdeckt und natürlich auch fette Beute in Form von Gold, Silber und anderem Kostbarkeiten gemacht.
In diesem Umfeld dürfen Piraten natürlich nicht fehlen. An Bord eines eher herunter gekommenen Schiffes, tummelt sich eine bunt zusammengesetzte Mannschaft von Freibeutern unter dem Befehl eines tollpatschigen und unfähigen Kapitäns. Immer auf der Suche nach der nächsten Beute, hat es der Kapitän jedoch nicht nur auf das Geschmeide und den Schmuck feiner, reisender Damen oder die Schatztruhen, tiefer gelegter Frachtsegler abgesehen. Nein, der Piraten-Kapitän hat ein Auge auf den Titel „Pirat des Jahres“ geworfen. Zu dessen Wahl, treffen sich alljährlich die gefürchtetsten Freibeuter der Meere auf der finsteren Insel „Blood Island“ .
Dort angekommen, merkt der Piraten-Kapitän schnell, mit seiner mageren Ausbeute hat er gegen die anderen Kandidaten keine Chance. In einem Anfall von Selbstmitleid steht er kurz davor seinen Job an den Nagel zu hängen. Die Wende kommt erst als man im Ausguck des Schoners, die Segel der „Beagle“ entdeckt, dem legendären Forschungsschiff des Charles Darwin, Mitbegründer der heutigen Vererbungslehre.

Mit „Die Piraten! – Ein Haufen merkwürdiger Typen“ bekommen wir diesmal eine waschechte Knetkomödie geboten, welche das seit Captain Jack Sparrow, sehr beliebte Genre der Piratenfilme auf die Schippe nimmt. Ein unfähiger Kapitän, ein Transvestit als Bootsjunge und ein Papagei der im Grunde keiner ist. Wenngleich die eigentliche Handlung des Films, der Kampf um den Preis „Pirat des Jahres“ relativ einfach gestrickt ist, werden vor allem im ersten Teil des Films etliche Szenen aus den „Fluch der Karibik“ Filmen persifliert. Desweiteren nimmt man recht offen Englands Rolle in der Wissenschaft des 19.Jahrhunderts aufs Korn. Dabei kommen sowohl Charles Darwin als auch Queen Victoria nichts sehr gut bei weg.
Leider geht den Machern des Films in der zweiten Hälfte des Films die Puste aus. Die lustigen Ideen und kreativen Verballhornungen werden merklich weniger. Die Handlung wird lediglich weiter gesponnen und mit einem Augenzwinkern zu einem Ende, mit seichten moralischen Ansätzen, gebracht.

Handwerklich ist der Film dagegen mal wieder eine Offenbarung. In Zeiten der perfekten Computeranimation glaubt man fast nicht mehr, dass sich ein Filmstudio tatsächlich noch hinsetzt und echte Knetfiguren schafft um diese im Stopp-Motion-Verfahren aufzunehmen. Bei „Aardman Animations“ hat man doch genau dies getan. Mit über 250 einzelnen Knetfiguren, maßstabsgetreuen Kulissen und einem fast vier Meter langem Knetschiff, erschafft das Animationsstudio enorm detaillierte Szenen. Zwar kommt man in Großaufnahmen oder einigen Szenen auf dem Meer nicht ganz ohne die Computeranimation aus, trotz alledem, ich wäre manchmal am liebsten mit durch die dunklen Gassen Londons gelaufen oder bei den bunten Marktständen auf „Blood Island“ abgetaucht. Die Optik ist schon etwas Besonderes und hat seit „Wallace & Gromit“ nichts an Faszination eingebüßt.

In der Summe ist „Die Piraten! – Ein Haufen merkwürdiger Typen“ ein kurzweiliger Familienfilm der vor allem die Lachmuskeln des Zuschauers beansprucht. Dabei kommen sowohl die Kleinen durch die lustigen Figuren und deren Verhalten auf ihre Kosten. Jedoch auch die Älteren, was in erster Linie durch die verschiedenen Anspielungen auf andere hochrangige Hollywood Blockbuster gewährleistet wird. Die Handlung des Films an sich ist dabei kaum erwähnenswert.
Gepaart mit der faszinierenden Knetoptik und den butterweichen Animationen, ist der Streifen ein heißer Kandidat für den nächsten Familienfilmnachmittag. Für echte Cineasten jedoch wohl eher ein kleiner Leckerbissen für zwischendurch.


Hier wie immer der Kinotrailer:



Sonntag, 2. September 2012

Krimi mit Sommerfeeling

Der geneigte Zuschauer kann sich in Sachen Krimi Serien derzeit nicht beschweren. Reihen aus amerikanischer Produktion wie „CSI – Dem Täter auf der Spur“, „Navy CSI“ oder aber „CSI Miami“ überschwemmen den Markt und sorgen teils schon wieder - wegen fehlender Abwechslung - für Verdruss. Doch auch von anderer Seite wird Front gemacht. So belebt man alte Klassiker neu, wie etwa erst vor kurzem mit dem Remake von „Hawaii 5-O“.
Gut das es wie immer noch so etwas wie einen europäischen Filmmarkt gibt. Zwar schlägt man sich dort nicht die Millionen Dollar Budgets um die Ohren, wie etwa in Hollywood, die ein oder andere Perle erblickt trotzdem ab und an das Licht der Welt.

„Death in Paradise“

Wir befinden uns auf einer kleinen Karibischen Insel in mitten des riesigen Atlantiks, Saint-Marie. Sonne, Sand und Palmen machen das kleine Eiland zu einem perfekten Urlaubsziel. Schnorcheln, tauchen und faul in der Sonne liegen. Kaum jemand kann sich vorstellen, dass sich an einem solch paradiesischen Ort Verbrechen ereignen. Entsprechend klein und verschlafen, präsentiert sich die Polizeistation von Saint-Marie. Ein Einsatz-Jeep, eine Holzhütte, ein Gästehaus am Strand (mit dem Charme eines europäischen Geräteschuppens) sowie vier Beamte, stellen die Gerechtigkeit auf der Insel sicher. An der Spitze der Truppe ein britischer Inspektor mit einer recht freizügigen Einstellung zum Dienst.
Als jedoch gerade das Oberhaupt der örtlichen Sicherheitskräfte, erschossen in der Villa eines reichen Inselbewohners aufgefunden wird, steht die Welt der Inselpolizei auf Kopf.
Um das Verbrechen schnell und akkurat aufzuklären, schickt man mit Detective Inspector Richard Poole (Ben Miller) aus London einen Bilderbuchbeamten erster Güte in die Karibik. Dort eingetroffen muss sich der Detective nicht nur mit den Gepflogenheiten der Bevölkerung und seiner Beamten herum schlagen, sondern auch mit weitreichenderen Verbrechen, die man auf einer Insel wie Saint-Marie nie vermutet hätte.

Wie in der Einleitung bereits angeklungen, handelt es sich bei „Death in Paradise“ um ein echtes Kleinod aus europäischer Mache. Die französisch, britische Koproduktion hebt sich mit ihrem Charme erfrischend von anderen Serien aus den USA ab. So sucht man vergebens die Action, die forensischen Untersuchungen oder DNA-Vergleiche wie in den amerikanischen Vorbildern. Stattdessen bekommt man eine verschlafene Karibikinsel zu Gesicht auf der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Da wird anhand des Sonnenstandes ermittelt, Sand unter den Schuhen der Verdächtigen ausgewertet oder in einer Nachtschicht die Scherben einer Vase mit Alleskleber zusammengesetzt. Dabei strahlt die Serie eine derartige Ruhe und Gelassenheit aus, das man am liebsten mit auf der Sonneninsel ermitteln möchte.

Mittendrin im Geschehen, der brillant spielende Ben Miller als Richard Pool. Ein Londoner Polizeibeamter, der kleinkarierter nicht sein könnte. Schlips und Anzug selbst bei über 40°C, ein bekennender Hasser der Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit und sein 5 Uhr Tee, scheint im wichtiger als das belebende Nass einer frisch geköpften Kokosnuss. Was sucht solch ein Mensch auf einer Insel wie Saint-Marie?
Der absolut trockene, britische Humor gibt der Serie den Schliff welcher den Charme der Serie ausmacht. Doch auch die Figuren des Fidel Best als ehrgeiziger Jungpolizist oder Dwayne Myers mit seinem Polizeimotorad einschließlich Seitenwagen, tragen zur Gesamtatmosphäre bei.
Am Ende jeder der acht (in sich geschlossenen) Fälle, steht natürlich die Aufklärung des Verbrechens und dies anhand der unterschiedlichsten Indizien.

Der etwas kauzige Richard Pool zelebriert dabei am Ende jeder Folge regelrecht die Lösung des Falls. Als Zuschauer macht es bei „Death in Paradise“ enorm viel Spaß, bereits in der Geschichte den Verbrecher selbst zu identifizieren um am Ende zu sehen ob man recht hatte oder nicht. Insofern, hebt man sich von den „modernen“ Serien ab, da dort vieles vom Profiling, Genanalysen und anderen Dingen abhängt, deren Ergebnisse man als Zuschauer meist einfach vorgesetzt bekommt. Bei „Death in Paradise“ ist jedoch alles in jedem Schritt logisch nachvollziehbar, was die Serie eher an Klassiker wie etwa „Colombo“ heran bringt und mir persönlich sehr gut gefällt.

Im Fazit bekommt der Zuschauer mit „Death in Paradise“ eine herrlich entspannende, unverkrampfte Krimiserie geboten, die sowohl durch intelligente Fälle als auch den kauzig britischen Humor in Figur des Richard Pool überzeugen kann. Die acht, knapp einstündigen Episoden der ersten Staffel habe ich regelrecht verschlungen. Gut nur, dass für 2013 bereits acht weitere Fälle in Planung sind.
Ich für meinen Teil freue mich bereits darauf und empfehle bis dahin allen Lesern die DVD-Box zu Staffel 1 oder die Ausstrahlung auf dem Spartenkanal „ZDF Neo“.


Den Trailer zur Serie hier unbedingt anschauen! Macht Lust auf mehr!



Mittwoch, 29. August 2012

Film ohne Handlung?

Treue Leser meines Blogs wissen, dass ich neben den typischen Hollywood Blockbustern immer gern auch mal einen Zeichentrickfilm oder ungewöhnlichen Streifen unter die Lupe nehme. Diesmal hat mich der Umstand „ungewöhnlich“ jedoch besonders schwer eingeholt.
Ursprünglich auf Grund der ungewöhnlichen Optik angeschaut, bin ich nämlich auch auf eine extrem verwirrende Handlung gestoßen, wenn man den von einer Handlung sprechen möchte bei:

„Waking Life“

Im Film geht es um nichts anderes als den Traum eines jungen Mannes. Der Mann hat keinen Namen, kein Ziel, keinen Antrieb. Er schreitet einfach nur durch seine Traumwelt und trifft dabei auf die unterschiedlichsten Menschen. Egal ob Uni-Professor, eine Straßengang, einen verwirrten Rentner, einen radikalen Studenten oder aber den Säufer an einer Bar. Gemein haben all diese Personen nur, dass sie mit ihm über verschiedene Aspekte des Lebens philosophieren.
Da wird über den Existentialismus diskutiert, der große französische Philosoph Jean-Paul Sartre zitiert und Themen angeschnitten wie etwa:

Wie entstand die abstrakte Sprache?
Verläuft die Evolution des Menschen exponentiell?
Braucht der Mensch Chaos und Zerstörung zur Entwicklung?
Zieht das Leben im Augenblick des Todes wirklich an einem vorbei?
Ist Reinkarnation mathematisch unmöglich?

Dabei verliert sich der junge Mann immer weiter in seiner Traumwelt. Dem Zuschauer ist am Ende nicht mehr klar, was ist Traum und was die Wirklichkeit.

Insgesamt hatte ich über die gesamte Länge des Films das Gefühl in einer Philosophie Vorlesung an der Uni zu sitzen. Thema: „Philosophische Denkansätze für die Allgemeinheit“.
Doch gerade für die Allgemeinheit ist dieser Film wegen seines sehr speziellen Inhalts nichts. Ganz im Ernst, ich habe „Waking Life“ und vor allem die darin enthaltenen Denkansätze genossen. Mal ganz ehrlich, habt Ihr schon mal beim Thema Wiedergeburt der Seele (Reinkarnation) darüber nachgedacht, wie das bei einer stetig wachsenden und sich alle paar Jahre verdoppelten Weltbevölkerung mathematisch funktionieren soll. Sprich, irgendwann währen der Menschheit längst die Seelen ausgegangen. Bereits in den 1950er Jahren hätten die neu geborenen Menschen nur noch eine Chance von 1:2 gehabt eine wiedergeborene Seele abzubekommen.
Doch wie gesagt, durch solche Denkansätze ist der Film sehr schwierig. Man muss sich enorm auf die Dialoge konzentrieren und das über eine Zeit von fast 100 Minuten.
Das ist einfach nicht die Art von Unterhaltung welche ich erwarte, wenn ich daheim eine DVD einlege und das Popcorn neben mir steht. Den Film könnte ich mir viel eher in der Erstsemestervorlesung an einer Uni der Geisteswissenschaften vorstellen oder als Grundlage eines Deutsch-Aufsatzes in der 12. Klasse des Gymnasiums.

Neben der Handlung ist aber auch die optische Umsetzung des Films ungewöhnlich. Im Verfahren der Rotoskopie wurden real gedrehte Szenen, zeichnerisch nachbearbeitet. Dabei stand jedoch nicht der Realismus im Vordergrund, vielmehr sollten die Bilder durch die unterschiedlichsten Stile verfremdet werden. Hierbei bediente man sich der unterschiedlichsten Techniken. Vom klassischen Aquarell oder Bleistiftzeichnung geht es munter durch die amerikanische PopArt der Fünfziger Jahre bis hin zu modernen Zeichentricktechniken wie dem Cel-Shading.
Auch hier überwiegt bei mir in erster Linie die Faszination des noch nie gesehenen. Etliche der Zeichenstile sind kleine Offenbarungen, andere gefielen mir gar nicht und vor allem die verwackelte Handkameratechnik im Film war einfach nur nervig. In der Gesamtheit trotzdem faszinierend. „Waking Life“ wirkt zeichnerisch wie der uneheliche Enkel des 1984 entstandenen Pop Videos „Take on me“ der schwedischen Kultband „aha“.

Im Fazit sehe ich „Waking Life“ im heimischen Wohnzimmer eher fehl am Platze. Dieser Film ist vor allem etwas für Philosophie Interessierte, hart gesottene Jünger des Arthaus-Kinos oder Menschen die sich gedanklich langweilen und mal wieder einige Denkanstöße benötigen.
Wenngleich also die deutsche Fassung hervorragend gelungen und mit vielen bekannten Sprechern besetzt ist, kann ich den Film nur sehr eingeschränkt empfehlen. Wer sich „Waking Life“ anschaut, sollte wissen, auf was er sich einlässt. Ich hoffe ich konnte etwas dazu beitragen.


Leider habe ich diesmal nur einen englischer Trailer zum Film gefunden:



Sonntag, 26. August 2012

Veränderte Erinnerungen

Wenn ich den Namen Philip K. Dick an dieser Stelle in den Raum stelle, so wird nur ein sehr kleiner Teil der Leserschaft etwas damit anzufangen wissen. Auch die Titel seiner literarischen Werke, etwa „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“ werden auf den ersten Blick eher ein Kopfschütteln verursachen. Sage ich dann aber dazu, dass etwa auf dem eben genannten Roman der Film „Blade Runner“ beruht, werden einige sicherlich hellhörig. Doch damit nicht genug. Philip K. Dick schuf insgesamt sehr viele Romane und Kurzgeschichten, welche später zu uns gut bekannten Kinofilmen umgesetzt wurden. Weitere Beispiel hierfür sind „Minority Report“, „Paycheck“ oder aber das hier besprochene:

„Total Recall“

Die Erde im Jahr 2084. Nach dem dritten Weltkrieg ist die gesamte Welt durch chemische Kampfstoffe verseucht. Asien, Nordamerika – ganze Landstriche sind entvölkert. Lebensraum ist eine knappe Ressource. Es gibt faktisch nur noch zwei Gebiete welche auf der Erde bewohnbar sind. Die Britische Union in Europa und Australien, das im Allgemeinen als „die Kolonie“ bezeichnet wird. Der Unterschied zwischen beiden Gebieten könnte nicht größer sein. Während in Europa die schöne moderne Industriegesellschaft Einzug gehalten hat, handelt es sich bei der Kolonie um eine Art Slum, aus dem Arbeitskräfte rekrutiert werden und den finanziell weniger betuchten Menschen als Wohnraum dient.
Verbunden werden beide Gebiete durch eine enorm aufwendige, technische Errungenschaft. Den „Fall“. Dabei handelt es sich um eine Röhre welche quer durch die Erde getrieben wurde. In ihr verkehrt eine Art Zug der am Erdkern vorbei, Europa mit der Kolonie verbindet und dies in nur knapp 17 Minuten.
Douglas Quaid lebt in dieser Welt. Als normaler Fabrikarbeiter pendelt er täglich zwischen der Kolonie und Europa. Tagsüber produziert er Kampfroboter an den Fließbändern der Britischen Union, am Abend kehrt er in sein trostloses Leben in der Kolonie zurück. Lange schon nagt an ihm der Zahn der Unzufriedenheit. Soll das Leben immer weiter so trostlos vor sich hin plätschern? Als dann auch noch eine Beförderung auf Grund seiner Herkunft abgewiesen wird, bleibt seine hübsche Frau Lori sein einziger Hoffnungsschimmer. Doch gibt sich Doug nicht lange zufrieden.
Währenddessen macht eine neue Dienstleistung in den Slums die Runde „Rekall“. Auf einen Stuhl geschnallt und mit allerlei technischem Gerät verbunden, bekommt man dabei verschiedene Drogen injiziert. Diese beeinflussen das Erinnerungsvermögen und täuschen dem Gehirn des Kunden Erlebnisse und Abenteuer vor, welche er nie erlebt hat. Von der Großwildjagd auf einer Safari, Surfen an einem Sandstrand bis hin zu einer Tätigkeit als Agent der Regierung. „Rekall“ macht fast alles möglich.
Als Doug sich in eines dieser Etablissements begibt, ahnt er noch nicht, dass dieser Besuch sein gesamtes bisheriges Leben auf den Kopf stellen wird.

Bekanntermaßen als Remake des bereits 1990 mit Arnold Schwarzenegger verfilmten „Die totale Erinnerung – Total Recall“, erlaubte sich Regisseur Len Wiseman bei der Handlung einige Freiheiten. Ging es im Abenteuer mit Schwarzenegger noch um unseren Nachbarplaneten Mars und die dortige Bevölkerung, wurde die Handlung 2012 komplett auf die Erde verlegt. Auch geht es Bösewicht Cohaagen nicht mehr um Atemluft auf dem Roten Planeten sondern um Lebensraum auf unserer guten alten Erde.
Ansonsten hat sich nicht viel verändert. Douglas Quaid ist wieder eine mit seinem Leben unzufriedene Person, welche sich mit „Rekall“ das Gehirn rösten lässt. Damit beginnt ein Verwirrspiel in dem weder die Hauptfigur des Films noch der Zuschauer weiß, was ist Fiktion und wo beginnt die Wirklichkeit. Erzählerisch macht man dabei nicht viel falsch. Vor allem im ersten Teil des Films bekommt der Kinobesucher einiges zu denken und wird mit unerwarteten Entwicklungen belohnt. Leider fällt der zweite Teil dann in Sachen Anspruch ein wenig ab. Die Action tritt hier eindeutig in den Vordergrund. Überall knallt und explodiert es, wird geschossen und verfolgt. Leider werden dadurch etliche Handlungsstränge nur sehr unbefriedigend oder unerwartet unspektakulär aufgelöst. Größtes Problem des Films sind jedoch die Figuren. Hatte man bereits 1990 bei Arni und seinem „Rekall“ geschimpft das die schauspielerischen Leistungen des Gouvernators sehr zu wünschen übrig lassen, macht es das Remake nicht viel besser. Zwar ist Colin Farrell schauspielerisch überzeugender, trotzdem empfand ich die Charaktere sehr blass. Niemand von den Hauptdarstellern verlieh dem Treiben seine unverwechselbare Note. So macht die Action und das Spionageverwirrspiel am Ende des 21. Jahrhunderts zwar Spaß, zog mich als Zuschauer jedoch nicht vollends in seinen Bann.

Am Ende bleibt ein eher durchschnittlicher Actionfilm, der zweifellos seine Liebhaber finden wird, das Genre jedoch nicht mit neuen Impulsen versorgt. Die Umsetzung ist tadellos, die Effekte der Hammer und die futuristischen Schwebestädte sehen auf der großen Leinwand einfach nur toll aus.
Für eingefleischte Filmfreunde sei noch erwähnt, dass es im Film zu einer Art Familientreffen kommt.
Mit Regisseur Len Wiseman und seiner Frau Kate Beckinsale (Lori Quaid) ist zusammen mit Bill Nighy (Matthias) ein großer Teil der Besetzung der „Underworld“ Filme mit von der Party.
Alles in allem ein guter Actionfilm, bei dem ich den Kinobesuch keinesfalls bereut habe. Mit dem Original von 1990 kann er allenfalls gleichziehen, auch wenn die Effekte heute einfach besser ausschauen. Wegen der nicht ganz erfüllten Erwartungen bekommt „Total Recall“ von mir diesmal nur drei Sterne. Trotzdem sehenswertes Popcornkino!


Hier noch einmal der deutsche Kinotrailer:



Freitag, 24. August 2012

Klassiker aus dem Wühltisch

Den heutigen Beitrag zum Blog möchte ich mit einer ganz einfachen Frage beginnen. Wie entscheidet Ihr Euch für einen Film? Bei mir ist der Weg immer sehr ähnlich. Man sieht im Kino einen Trailer, merkt sich den Film und das Startdatum und sitzt dann zu gegebener Zeit wieder am selben Ort um ihn sich auf der großen Leinwand anzuschauen.
Sollte ich mal nicht zum Kinobesuch kommen, der Streifen aber trotzdem vielversprechend ausschauen, wird er für die DVD vorgemerkt. Tja, so oder so ähnlich läuft das.
Zum heutigen Film bin ich jedoch ein wenig anders gekommen. Dieser begegnete mir nämlich auf einem Wühltisch in einem Elektronikmarkt und dies für nicht mal drei müde Euro! Die Worte „Collectors Edition“ und „Doppel-DVD“ sowie ein liebevoll gestalteter Pappschuber, ließen mir einfach keine andere Wahl.

„Rock & Rule“

Die ferne Zukunft. Die heutige Welt ist in einem apokalyptischen Nuklearkrieg untergegangen. Höhere Lebensformen wie die Menschen hatten keine Chance. Einzige Überlebende waren kleinere Wirbeltiere wie Mäuse, Ratten oder Katzen. Nach vielen Jahren bilden sich unter den Tieren menschenähnliche Mutationen heraus, welche die Lücke des Homo sapiens in den verfallenen Städten einnehmen. Es bildet sich eine düstere Zukunft heraus, geprägt von dreckigen Städten, verstrahlten Wüsten und säurehaltigem Regen.

In mitten dieser zwielichtigen Gesellschaft versucht die Sängerin Angel mit ihrer Punkrock Band eine Karriere zu starten. In dunklen Kaschemmen und Kellerlokalen, ist dies jedoch nicht so einfach. Erst recht nicht wenn man ständig im Schatten eines übermächtigen Superrockers namens Mok steht.
Mok lebt jedoch, entgegen seinem offiziellen Image, nicht für die Rock Musik sondern betreibt im Verborgenen magische Experimente und Beschwörungen. Seine Fassade als Rocker ist nur eine Tarnung. Gegenwärtig arbeitet er daran einen Dämonen aus einer anderen Dimension zu befreien. Was ihm dazu fehlt ist die Klangsequenz einer ganz bestimmten Stimme, wie sich heraus stellt, die von Angel. Kurzerhand entführt er die hübsche Blondine nach „Nuke York“, doch die anderen Bandmitglieder sind nicht untätig und dem verrückten Mok dicht auf den Fersen.

Da ich mich bisher vor allem im japanischen Genre der Animationsfilme herum trieb, nahm ich bisher Zeichentrickfilme aus anderen Ländern kaum wahr. Erst recht nicht wenn diese wie „Rock & Rule“ im Jahre 1983 in Kanada entstanden.
Vom Ambiente her lässt sich der Film am besten zwischen Cyberpunk und einer Rock & Roll Oper einordnen. Der Kampf Gut gegen Böse beherrscht die vorhersehbare und lineare Handlung. Wobei das Faszinierende die Waffen der Protagonisten sind. Statt Pistole oder Gewehr kommt der Gesang zum Einsatz. Da werden Dämonen mit Stimmsequenzen beschworen und Bösewichten eine Rockballade entgegen geschmettert. Oberschurke Mok schaut ein wenig aus wie eine Kreuzung zwischen Karl Lagerfeld und den Altrockern der Gruppe „Kiss“ und dazwischen Gesangseinlagen von Iggy Pop, Debbie Harry, Earth, Wind & Fire, Lou Reed und Cheap Trick.
Hinzu kommen wunderbar detaillierte und noch von Hand gezeichnete Animationen . Diese wirken zwar aus heutiger Sicht recht altbacken, doch hatten sie mein Herz spätestens an der Stelle gewonnen, als ich einen halb eingesunkene Freiheitsstatue sah, an dessen rechter Außenseite ein riesiger Turm aus Slum-Barracken empor wächst. Ebenfalls positiv das Charakterdesign der beiden Hauptfiguren, leider kommen einige Nebencharaktere nicht so gut weg.

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Will heißen, auch wenn man bei der deutschen DVD Fassung das Herzblut der Macher regelrecht spürt, dürfen auch die Unzulänglichkeiten nicht unerwähnt bleiben. In erster Linie der leicht trashige Hauch, welcher dem Film anhaftet, den man aber nicht unbedingt als negativ ansehen muss.. Ein ernsthaft großer Kritikpunkt ist dagegen die deutsche Sprachfassung. Trotz nachträglicher Dolby 5.1 Abmischung, hallen die Stimmen der Sprecher unnatürlich nach. Es klingt ein wenig so, als hätte jemand mit seinem Handy den Ton eines Kinofilms mitgeschnitten. Zu allem Überfluss fängt die deutsche Tonspur zum Ende des Films immer mehr an zu leiern. Zwar kann ich verstehen dass fast 30 Jahre altes Tonmaterial nicht mehr ideale Qualität aufweist. Bei den tollen Liedern stört es trotzdem, dies muss man einfach so sagen.
Die restliche DVD Ausstattung lässt kaum Wünsche offen. Aufwendig animierte Menüs, ein fast halbstündiges Making Of aus dem Jahr 1983, Audiokommentar, Bildergalerie, ein Kurzfilm der Macher und auf der Bonus DVD sogar noch einmal die fünf Minuten längere original kanadische Version des gesamten Films. Wow! Das bieten nicht mal die meisten aktuellen Blockbuster.

Insgesamt ist „Rock & Rule“ vor allem eines - nicht mehr zeitgemäß.

Handgezeichnete Figuren mit Gelfrisur, die sich in einer apokalyptischen Welt Rocklieder um die Ohren schmettern, dies kann man heut zu Tage nicht mehr jedem Zuschauer vermitteln.
Für die älteren Semester ist der Film jedoch ein willkommen nostalgischer Ausflug in die frühen Achtziger Jahre und für alle unter Zwanzig ein interessanter Blick auf Animationsfilme vor Pixar, Dreamworks & Co.
Ich hatte auf alle Fälle eine Menge Spaß für meine knapp drei Euro. Aufgrund der technischen Mängel kommt „Rock & Rule“ jedoch über eine drei Sterne Wertung nicht hinaus.


Auf Grund des exotischen Films, an dieser Stelle nur ein englischer Trailer aus dem Jahr 1983: