Mittwoch, 19. September 2012

Kleine Jungs im Sandkasten

Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht ganz wer hier im Beitrag die kleinen Jungs sind. Entweder man zählt die ganzen Alt-Stars auf der Leinwand zu dieser Gruppe oder uns Kinobesucher, die vermutlich zu 90% aus männlichen Zuschauern im Alter zwischen 25 und 40 Jahren bestehen wird.
Sprich die Gruppe, welche ihre ersten Kinoerlebnisse Mitte der 1980er bis in die 1990er Jahre hinein erlebte.

„The Expendables 2“

Barney Ross (Sylvester Stallone) erhält mit seiner Gruppe aus Draufgängern einen Auftrag. Die Aufgabe, einen chinesischen Milliardär aus einem Lager in Nepal befreien. Zusammen mit Gunnar (Dolph Lundgren), Hale Caesar (Terry Crews), Yin Yang (Jet Li), Lee Christmas (Jason Statham) und dem neuen Scharfschützen Bill „The Kid“ Timmons (Liam Hemsworth) bricht er zu dieser nicht ganz einfachen Mission auf. Wann aber waren die Einsätze schon einmal einfach?
Vor Ort trifft das Team auf ein bis an die Zähne bewaffnetes Millitärcamp. Aber auch das schreckt einen Barney Ross nicht ab. Routiniert kämpfen sich seine Mannen bis zur Geisel vor. Das Erstaunen ist jedoch groß, als man neben dem Chinesen auch Barneys schärfsten Konkurrenten Trench (Arnold Schwarzenegger) gefesselt im Gebäude findet.

Trotz aller Überraschungen heißt es am Ende „Auftrag ausgeführt“ und es geht mit dem Flugzeug zurück nach New Orleans, ihrem Stützpunkt. Gerade als man dabei ist, die gelungenen Mission mit ein paar Bierchen zu begießen, wird Barney von dem geheimnisvollen Church (Bruce Willis) aufgesucht.
Dieser konfrontiert ihn mit einer alten Schuld und droht ihn verhaften zu lassen, sollte er einen ganz bestimmten Auftrag nicht annehmen. Dieser besteht in der Bergung eines kleinen Tresors, welcher sich an Bord eines Flugzeuges befand, dass über Albanien abstürzte.
Bereits am nächsten Morgen fliegen die Expendables also in Richtung Europa. Auf Wunsch von Church hin, werden Barney & Co. von der Chinesin Maggie Chan begleitet.
Die Bergung des Tresors verläuft relativ problemlos. Man kann das Flugzeug und den Peilsender schnell ausmachen, auch der Sicherheitscode des Stahlbehälters stellt sich als machbare Herausforderung dar.
Problematisch wird es erst, als man sich auf dem Rückzug zum Flugzeug befindet. Auf dem Weg dorthin, werden die Expendables von einer Gruppe Bewaffneter überfallen. Ihr Anführer Jean Vilain (Jean-Claude Van Damme) ist ebenfalls auf der Suche nach dem Inhalt des Safes. Kampflos muss man dem Schurken die Beute überlassen, doch Barney Ross schwört Rache und diese wird äußerst blutig sein.

Wie zu erwarten, ist die Geschichte welche in „The Expendables 2“ erzählt wird, nicht all zu anspruchsvoll. Man ist auf der äußerst blutigen Jagd nach einem Gegenstand, mäht dabei Reihen von Gegner mit allen möglichen Waffen nieder, um am Ende auf den Oberbösewicht zu stoßen. So und nicht anders läuft das einfache Muster im Film ab. Wenden in der Handlung oder überraschende Offenbarungen sucht man vergebens.

Doch soll ich mal was sagen, dies hat mich bei diesem Film in keiner Weise gestört! Stattdessen werden einem am laufenden Band Action-Stars der alten Schule geboten. Neben den bereits oben genannten Darstellern hat auch, der in die Jahre gekommene Chuck Norris einen würdigen Gastauftritt. Das Beste dabei, egal ob Arnie, Jean-Claude oder eben Norris - alle Darsteller nehmen sich selbst und ihre bisherige Rolle im Actionfilm auf die Schippe. Unvergessen die Stelle in der Arnie die Munition ausgeht und er zu Bruce Willis sagt: „Ich komme zurück!“ („I'll be back“) und dieser darauf antwortet: „Wie oft willst du noch zurückkommen?“. Der Kinosaal hat gelegen vor Lachen. Und genau diese Stimmung ist, es welche „The Expendables 2“ ausmacht. Über alle Unzulänglichkeiten in der Handlung hinweg, nimmt der Film sich selbst nicht ernst und zelebriert stattdessen die gute alte Zeit des Action-Kinos. Die Zeit, als man noch mit strahlenden Augen den neusten Arnold Schwarzenegger Film entgegen fieberte und Dolph Lundgren nicht in belanglosen B-Movies herum turnte.

Im Fazit bleibt ein Film, der seine gesamte Faszination einfach aus den Stars, den klassischen Anleihen und der Selbstironie bezieht.
Dies ist in keiner Weise abwertend zu sehen. Denn auch wenn die Handlung kaum erwähnenswert ist, hatte ich selten einen schöneren Kinobesuch. Die Stimmung im Publikum war einfach fantastisch, jeder erkannte die Anleihen, jeder Gag hat eingeschlagen wie eine Bombe und im Handumdrehen waren die 103 Minuten des Films vergangen. Ich selbst konnte kaum fassen dass der Streifen bereits vorbei sein sollte. Wegen meiner hätte es noch zwei Stunden so weiter gehen können.
Aus diesem Grund bekommt „The Expendables 2“ von mir ganze vier Sterne, wenngleich man an vielen Stellen herum kritisieren könnte. Zusammengefasst in einem Satz:

Eine Zeitreise zum Preis einer Kinokarte


Hier wie immer ein Trailer zum Film:





Sonntag, 16. September 2012

Nackte Literatur

Manch weltberühmten Schriftstellern geschieht es häufiger, andere werden regelrecht damit überhäuft, wieder andere kommen kaum in diesen Genuss. Was ich meine? Die Tatsache, dass ihre Werke auch für die große Leinwand verfilmt werden.
J. R. R. Tolkien, Joanne K. Rowling oder Jules Verne. Egal in welche Zeitepoche man schaut, es gibt Autoren deren Werke scheinen nie aus der Mode zu kommen, neue Schriften oder altbewährte werden ihnen förmlich aus den Händen gerissen, um sie von mal mehr oder weniger begabten Regisseuren verfilmen zu lassen.
Wer von Euch hat aber schon einmal etwas von Gabriel García Márquez gehört? Ein kolumbianischer Schriftsteller, der 1982 den Literatur Nobelpreis gewann und dessen bekanntestes Werk „Hundert Jahre Einsamkeit“ über 30 Millionen Mal über den Ladentisch wanderte.
Beschäftigt man sich genauer mit seinem literarischen Schaffen, kann man ab Mitte der 1950er Jahre unzählige Kurzgeschichten, Romane und Novellen finden. Die meisten davon auch in deutscher Übersetzung. Umso erstaunlicher, dass mir persönlich gerade einmal zwei bekanntere Verfilmungen seiner Werke bekannt sind. „Die Liebe in Zeiten der Cholera“ sowie das hier besprochene:

„Erinnerung an meine traurigen Huren“

El Sabio ist ein alter Journalist der Anfang des letzten Jahrhunderts in einer nicht näher genannten kolumbianischen Stadt an der Karibikküste lebt. In seinem verwaisten Haus lebt er mit seiner Haushälterin und einer Katze. Während er inzwischen einem sehr ruhigen Lebensstil nachgeht, schreibt er noch eine tägliche Kolumne für eine große Tageszeitung, die sowohl bei Lesern wie auch Kritikern hoch geschätzt wird.

Als er 90 Jahre alt wird, entschließt er sich selbst ein Geschenk zu machen. Er ruft die Bordellbesitzerin Rosa Cabarcas an und erbittet eine Liebesnacht mit einem blutjungen Mädchen, welches auch noch Jungfrau sein solle.
In besagter Nacht findet er eine junge Frau schlafend in einem Apartment. Anstatt sie jedoch zu wecken, betrachtet er das Mädchen, ohne sie auch nur zu berühren. Schmerzlich wird ihm dabei bewusst, dass er sein Lebtag nur für Geld mit Frauen geschlafen hat. Wahre Liebe war niemals im Spiel. Anders jedoch bei diesem jungen Ding.
In der Folge, muss Rosa Cabarcas wieder und wieder Liebesnächte für den alten El Sabio arrangieren, immer mit besagter Jungfrau. Diese Nächte laufen dabei immer nach dem gleichen Muster ab. Der alte Journalist bedenkt das Mädchen mit einem Geschenk, betrachtet die nackte Frau im Schlaf oder liest ihr etwas vor. Hierbei reflektiert er Stück für Stück sein vorangegangenes Leben.
Er meint, wenn auch im hohen Alter, endlich die wahre Liebe gefunden zu haben.

Oftmals scheint es nicht einfach, etwas schwereren literarischen Stoff auf gebührende Weise zu verfilmen. Mit gebührend ist dabei gemeint, dass auch der Film noch die Atmosphäre des Romans ausatmet.
Dies schafft „Erinnerung an meine traurigen Huren“ sehr gut. Die Verfilmung zeigt den melancholischen Rückblick eines alten Mannes auf sein Leben, ohne jede Hektik und in sehr ruhigen Bildern. Das der Hauptcharakter Journalist ist, scheint in das Muster zu passen, dass der Film etliche autobiographische Anlehnungen an das wahre Leben des Autors Gabriel García Márquez enthält.
Langsamkeit birgt für den Zuschauer jedoch auch einige Gefahren. Lässt man sich nämlich nicht auf das Szenario ein, erscheint der Film oberflächlich gesehen eher langweilig. Abschreckend kommt hinzu, dass die Handlung meist in drei verschiedenen Zeitebenen erzählt wird. Die des neunzigjährigen Journalisten, sowie in den Erinnerungen als Mittvierziger und als Kind. Alle drei Zeitebenen gehen dabei oftmals derart gleitend ineinander über, dass man schon recht konzentriert bei der Sache sein sollte, um nicht den Überblick zu verlieren.
Doch sollte man dies nicht falsch verstehen. Erzählerischer Anspruch ist kein Grund für negative Kritik.
Ein weiterer Pluspunkt sind die Darsteller des Films. In prominenter Hauptrolle allen voran Emilio Echevarría als alternder Journalist. Ich glaube einen passenderen Mimen hätte man für die Rolle nicht finden können. Im Allgemeinen bewundere ich jedoch den darstellerischen Umgang mit der holden Weiblichkeit. Wie man dem Titel des Films unschwer entnehmen kann, ist eine Menge nackter Haut während der Geschichte zwischen Bordell und Freudenhaus zu sehen. Dabei verfällt man zu keiner Zeit dem allgegenwärtigen Schönheitswahn. Einen makellosen nackten Körper bekommt man im gesamten Streifen nicht zu sehen, stattdessen (etwas pathetisch gesprochen) Frauenkörper wie Gott sie schuf. Sicherlich ein Grund dafür das der Film in Deutschland eine FSK 16 statt wie in den prüden USA eine 18er Altersfreigabe bekam. In einigen persischen Ländern, wie etwa dem Iran, ist der Film auf Grund der Nacktszenen sogar verboten. Meinem Empfinden nach völlig unverständlich.

Als bekennender Fan von Gabriel García Márquez, habe ich den Film sehr genossen. Mit ruhigen Bildern, fängt er die melancholische Stimmung des Romans sehr gut ein. Zu beobachten wie ein 90jähriger Mann dabei ist, sich erstmals zu verlieben, ist nicht alltäglich. Hinzu kommt ein Ende das sehr nachdenklich stimmt.
Wer „Erinnerung an meine traurigen Huren“ in den DVD-Player einlegt, sollte sich bewusst sein, dass er eine Literaturverfilmung vor sich hat. Action, Komödie oder Popcornkino sucht man hier vergebens. Insofern ist der Film nur sehr eingeschränkt Mainstream tauglich. Dafür bekommt man eine der bisher besten Márquez Verfilmungen geboten.


Hier wie immer der Trailer zum Film:




Samstag, 8. September 2012

Zuckersüße Ablenkung

Ich gebe zu in dieser Woche extrem abgelenkt gewesen zu sein, was das Entdecken neuer Kinofilme oder Serien für Euch angeht. Stattdessen hat mich meine Playstation ungewöhnlich stark gefesselt. Das ein oder andere Spiel mal zwischendurch konsumiert oder größere Abenteuer nach und nach durch gezockt. Seltener zieht mich ein Spiel jedoch derart in seinen Bann, dass ich es faktisch am Stück durchspiele und alles andere links liegen lasse.
So geschehen in dieser Woche bei:

„Lollipop Chainsaw“

Juliet ist auf den ersten Blick ein typisch amerikanisches Blondchen. Mehr Zeit wie im Klassenzimmer verbringt sie beim Cheerleader Training auf der Wiese. Zu ihren erklärten Lieblingslebensmitteln zählen Lollis. Neben dem Training mit dem Pom Poms, gibt es seit neustem noch einen Mittelpunkt in Juliets Leben, ihr neuer Freund Nick.
Als sie zu einem Treffen im Park kommt, muss sie jedoch mit ansehen, wie Nick von einer Meute Zombies davon geschliffen wird. Gerade noch rechtzeitig kann sie ihre Kettensäge aus dem Sportbeutel holen um die düsteren Gesellen zu vertreiben oder größtenteils zu durchtrennen. Trotzdem verhindern sie nicht, dass Nick von einem Zombie gebissen wird. Rasend schnell verbreitet sich der Virus im Körper. Nicht lange und auch er wird zu einem Untoten. Juliet hat zum Glück die rettende Idee. Mit ihrer ungestümen Kettensäge trennt sie den Kopf des Jungen vom Rumpf um so ein Übergreifen des Virus auf das Hirn zu verhindern. Doch müsste Nick nicht daran sterben?

Zum Glück nicht, denn Juliet besitzt ein dunkles Geheimnis. Sie stammt aus einer Familie von Zombiejägern. Dies beinhaltet neben einer Kettensäge im Handgepäck, auch das Wissen um etliche Zauberformeln. Darunter eine, welche abgetrennte Köpf über längere Zeit am Leben erhält.
Zusammen mit Nick dem Kopf, begibt sich das Mädchen auf die Suche. Schnell findet sie die Ursache für die Invasion der Untoten. Ein Riss zwischen den Dimensionen unsere und der Welt der Toten. Wo aber kommt dieser Riss her? Und wurde er vielleicht absichtlich verursacht? Die Jagd nach den Drahtziehern beginnt!

Wie man schon am Handlungsabriss erkennt, allzu anspruchsvoll ist der Plot des Spiels nicht. Desweiteren nimmt sich „Lollipop Chainsaw“ auf angenehme Weise selbst nicht sehr ernst und zu gern auch auf die Schippe. Eine schmucke Blondine die mit einer schweren Kettensäge bewaffnet wahre Horden an Untoten meuchelt, währenddessen der Kopf ihres Freundes als Anhänger am Gürtel baumelt.
Das ganze Szenario ist derart schräg, dass es einfach nur Spaß macht dem Intermezzo aus Blutvergießen und High-School-Komödie beizuwohnen.
Im normalen Schwierigkeitsgrad ist ein Großteil des Spiels gut zu meistern, wenngleich einige Passagen und Minispiele fordern, vor allem wenn man nicht sogleich die richtige Strategie parat hat. Doch alles ist schaffbar, höchstens man versucht sich später im Modus „Sehr schwer“, dann kann die Zombiehetze auch schnell frustrieren.
Grafisch, kommt das Spiel an Referenztitel im Ego-Shooter-Bereich, wie etwa „Battlefield“ & Co., nicht heran. Dies ist jedoch völlig nebensächlich. Denn zusammen mit dem extrem passenden 80er Jahre Soundtrack, entschädigt die dichte Atmosphäre für alle eventuellen kleinen Patzer die der Einzelne sicherlich finden wird.

Schon lange hatte ich nicht mehr so viel Spaß bei einem Playstation Spiel. Zombies killen in einer mehr als schrägen, kunterbunten Lolli-Optik und dies mit einer Menge Anleihen auf das klassische Filmgenre (siehe etwa Juliets Schule, die „San Romero High“). Dazu noch eine saubere Steuerung, passender Soundtrack und ein bissiger Humor.
Solche Spiele kommen viel zu selten heraus. Sicher, an der ein oder anderen Stelle wird es etwas zu kritisieren geben, aber um es mit den Worten Dieter Bohlens aus DSDS zu sagen: „Bei „Lollipop Chainsaw“ stimmt einfach das Gesamtpacket“. Von meiner Seite daher eine absolute Kaufempfehlung!


Hier mal ein Trailer für alle Interessierten:

Mittwoch, 5. September 2012

Segeln mit Schafen

Wer kennt sie nicht, die liebevollen Knetfiguren „Wallace & Gromit“, die Mitte der Neunziger Jahre erstmals in einigen animierten Kurzfilmen auftraten? Diese kamen so gut an, dass man einige abendfüllende Fortsetzungen und Ableger produziert. So etwa „Chicken Run – Hennen rennen“ aus dem Jahr 2000 oder gar eine Fernsehserie mit Shaun dem Schaf. Nun bläst Regisseur Peter Lord erneut zu einem Großangriff auf die Lachmuskeln mit:

„Die Piraten! – Ein Haufen merkwürdiger Typen“

Wir schreiben das 19. Jahrhundert. Auf den Weltmeeren wetteifern die großen europäischen Nationen untereinander um immer neue Kolonien, Seewege und Gebietsansprüche. Entdecker werden los geschickt, Länder entdeckt und natürlich auch fette Beute in Form von Gold, Silber und anderem Kostbarkeiten gemacht.
In diesem Umfeld dürfen Piraten natürlich nicht fehlen. An Bord eines eher herunter gekommenen Schiffes, tummelt sich eine bunt zusammengesetzte Mannschaft von Freibeutern unter dem Befehl eines tollpatschigen und unfähigen Kapitäns. Immer auf der Suche nach der nächsten Beute, hat es der Kapitän jedoch nicht nur auf das Geschmeide und den Schmuck feiner, reisender Damen oder die Schatztruhen, tiefer gelegter Frachtsegler abgesehen. Nein, der Piraten-Kapitän hat ein Auge auf den Titel „Pirat des Jahres“ geworfen. Zu dessen Wahl, treffen sich alljährlich die gefürchtetsten Freibeuter der Meere auf der finsteren Insel „Blood Island“ .
Dort angekommen, merkt der Piraten-Kapitän schnell, mit seiner mageren Ausbeute hat er gegen die anderen Kandidaten keine Chance. In einem Anfall von Selbstmitleid steht er kurz davor seinen Job an den Nagel zu hängen. Die Wende kommt erst als man im Ausguck des Schoners, die Segel der „Beagle“ entdeckt, dem legendären Forschungsschiff des Charles Darwin, Mitbegründer der heutigen Vererbungslehre.

Mit „Die Piraten! – Ein Haufen merkwürdiger Typen“ bekommen wir diesmal eine waschechte Knetkomödie geboten, welche das seit Captain Jack Sparrow, sehr beliebte Genre der Piratenfilme auf die Schippe nimmt. Ein unfähiger Kapitän, ein Transvestit als Bootsjunge und ein Papagei der im Grunde keiner ist. Wenngleich die eigentliche Handlung des Films, der Kampf um den Preis „Pirat des Jahres“ relativ einfach gestrickt ist, werden vor allem im ersten Teil des Films etliche Szenen aus den „Fluch der Karibik“ Filmen persifliert. Desweiteren nimmt man recht offen Englands Rolle in der Wissenschaft des 19.Jahrhunderts aufs Korn. Dabei kommen sowohl Charles Darwin als auch Queen Victoria nichts sehr gut bei weg.
Leider geht den Machern des Films in der zweiten Hälfte des Films die Puste aus. Die lustigen Ideen und kreativen Verballhornungen werden merklich weniger. Die Handlung wird lediglich weiter gesponnen und mit einem Augenzwinkern zu einem Ende, mit seichten moralischen Ansätzen, gebracht.

Handwerklich ist der Film dagegen mal wieder eine Offenbarung. In Zeiten der perfekten Computeranimation glaubt man fast nicht mehr, dass sich ein Filmstudio tatsächlich noch hinsetzt und echte Knetfiguren schafft um diese im Stopp-Motion-Verfahren aufzunehmen. Bei „Aardman Animations“ hat man doch genau dies getan. Mit über 250 einzelnen Knetfiguren, maßstabsgetreuen Kulissen und einem fast vier Meter langem Knetschiff, erschafft das Animationsstudio enorm detaillierte Szenen. Zwar kommt man in Großaufnahmen oder einigen Szenen auf dem Meer nicht ganz ohne die Computeranimation aus, trotz alledem, ich wäre manchmal am liebsten mit durch die dunklen Gassen Londons gelaufen oder bei den bunten Marktständen auf „Blood Island“ abgetaucht. Die Optik ist schon etwas Besonderes und hat seit „Wallace & Gromit“ nichts an Faszination eingebüßt.

In der Summe ist „Die Piraten! – Ein Haufen merkwürdiger Typen“ ein kurzweiliger Familienfilm der vor allem die Lachmuskeln des Zuschauers beansprucht. Dabei kommen sowohl die Kleinen durch die lustigen Figuren und deren Verhalten auf ihre Kosten. Jedoch auch die Älteren, was in erster Linie durch die verschiedenen Anspielungen auf andere hochrangige Hollywood Blockbuster gewährleistet wird. Die Handlung des Films an sich ist dabei kaum erwähnenswert.
Gepaart mit der faszinierenden Knetoptik und den butterweichen Animationen, ist der Streifen ein heißer Kandidat für den nächsten Familienfilmnachmittag. Für echte Cineasten jedoch wohl eher ein kleiner Leckerbissen für zwischendurch.


Hier wie immer der Kinotrailer:



Sonntag, 2. September 2012

Krimi mit Sommerfeeling

Der geneigte Zuschauer kann sich in Sachen Krimi Serien derzeit nicht beschweren. Reihen aus amerikanischer Produktion wie „CSI – Dem Täter auf der Spur“, „Navy CSI“ oder aber „CSI Miami“ überschwemmen den Markt und sorgen teils schon wieder - wegen fehlender Abwechslung - für Verdruss. Doch auch von anderer Seite wird Front gemacht. So belebt man alte Klassiker neu, wie etwa erst vor kurzem mit dem Remake von „Hawaii 5-O“.
Gut das es wie immer noch so etwas wie einen europäischen Filmmarkt gibt. Zwar schlägt man sich dort nicht die Millionen Dollar Budgets um die Ohren, wie etwa in Hollywood, die ein oder andere Perle erblickt trotzdem ab und an das Licht der Welt.

„Death in Paradise“

Wir befinden uns auf einer kleinen Karibischen Insel in mitten des riesigen Atlantiks, Saint-Marie. Sonne, Sand und Palmen machen das kleine Eiland zu einem perfekten Urlaubsziel. Schnorcheln, tauchen und faul in der Sonne liegen. Kaum jemand kann sich vorstellen, dass sich an einem solch paradiesischen Ort Verbrechen ereignen. Entsprechend klein und verschlafen, präsentiert sich die Polizeistation von Saint-Marie. Ein Einsatz-Jeep, eine Holzhütte, ein Gästehaus am Strand (mit dem Charme eines europäischen Geräteschuppens) sowie vier Beamte, stellen die Gerechtigkeit auf der Insel sicher. An der Spitze der Truppe ein britischer Inspektor mit einer recht freizügigen Einstellung zum Dienst.
Als jedoch gerade das Oberhaupt der örtlichen Sicherheitskräfte, erschossen in der Villa eines reichen Inselbewohners aufgefunden wird, steht die Welt der Inselpolizei auf Kopf.
Um das Verbrechen schnell und akkurat aufzuklären, schickt man mit Detective Inspector Richard Poole (Ben Miller) aus London einen Bilderbuchbeamten erster Güte in die Karibik. Dort eingetroffen muss sich der Detective nicht nur mit den Gepflogenheiten der Bevölkerung und seiner Beamten herum schlagen, sondern auch mit weitreichenderen Verbrechen, die man auf einer Insel wie Saint-Marie nie vermutet hätte.

Wie in der Einleitung bereits angeklungen, handelt es sich bei „Death in Paradise“ um ein echtes Kleinod aus europäischer Mache. Die französisch, britische Koproduktion hebt sich mit ihrem Charme erfrischend von anderen Serien aus den USA ab. So sucht man vergebens die Action, die forensischen Untersuchungen oder DNA-Vergleiche wie in den amerikanischen Vorbildern. Stattdessen bekommt man eine verschlafene Karibikinsel zu Gesicht auf der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Da wird anhand des Sonnenstandes ermittelt, Sand unter den Schuhen der Verdächtigen ausgewertet oder in einer Nachtschicht die Scherben einer Vase mit Alleskleber zusammengesetzt. Dabei strahlt die Serie eine derartige Ruhe und Gelassenheit aus, das man am liebsten mit auf der Sonneninsel ermitteln möchte.

Mittendrin im Geschehen, der brillant spielende Ben Miller als Richard Pool. Ein Londoner Polizeibeamter, der kleinkarierter nicht sein könnte. Schlips und Anzug selbst bei über 40°C, ein bekennender Hasser der Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit und sein 5 Uhr Tee, scheint im wichtiger als das belebende Nass einer frisch geköpften Kokosnuss. Was sucht solch ein Mensch auf einer Insel wie Saint-Marie?
Der absolut trockene, britische Humor gibt der Serie den Schliff welcher den Charme der Serie ausmacht. Doch auch die Figuren des Fidel Best als ehrgeiziger Jungpolizist oder Dwayne Myers mit seinem Polizeimotorad einschließlich Seitenwagen, tragen zur Gesamtatmosphäre bei.
Am Ende jeder der acht (in sich geschlossenen) Fälle, steht natürlich die Aufklärung des Verbrechens und dies anhand der unterschiedlichsten Indizien.

Der etwas kauzige Richard Pool zelebriert dabei am Ende jeder Folge regelrecht die Lösung des Falls. Als Zuschauer macht es bei „Death in Paradise“ enorm viel Spaß, bereits in der Geschichte den Verbrecher selbst zu identifizieren um am Ende zu sehen ob man recht hatte oder nicht. Insofern, hebt man sich von den „modernen“ Serien ab, da dort vieles vom Profiling, Genanalysen und anderen Dingen abhängt, deren Ergebnisse man als Zuschauer meist einfach vorgesetzt bekommt. Bei „Death in Paradise“ ist jedoch alles in jedem Schritt logisch nachvollziehbar, was die Serie eher an Klassiker wie etwa „Colombo“ heran bringt und mir persönlich sehr gut gefällt.

Im Fazit bekommt der Zuschauer mit „Death in Paradise“ eine herrlich entspannende, unverkrampfte Krimiserie geboten, die sowohl durch intelligente Fälle als auch den kauzig britischen Humor in Figur des Richard Pool überzeugen kann. Die acht, knapp einstündigen Episoden der ersten Staffel habe ich regelrecht verschlungen. Gut nur, dass für 2013 bereits acht weitere Fälle in Planung sind.
Ich für meinen Teil freue mich bereits darauf und empfehle bis dahin allen Lesern die DVD-Box zu Staffel 1 oder die Ausstrahlung auf dem Spartenkanal „ZDF Neo“.


Den Trailer zur Serie hier unbedingt anschauen! Macht Lust auf mehr!