Es gibt Dinge, die bleiben dem durchschnittlichen Deutschen einfach aus kulturellen Gründen verborgen. Oder habt Ihr schon einmal etwas von einem Theodor Geisel gehört? Ich zumindest bisher nicht. Vielleicht aber sagt Euch das Pseudonym Dr. Seuss etwas mehr?
Auch nicht? Halb so wild, mir ging es ähnlich. Erst als das Gespräch auf sein in Europa bekanntestes Werk „Der Grinch“ kam, blitzte es bei mir auf. Der Mann war laut Wikipedia der einflussreichste Kinderbuchautor der englischsprachigen Welt und verfasste bis zu seinem Tod 1991 unzählige Geschichten. Ob er wirklich so berühmt in den USA war, kann ich schlecht einschätzen. Der Grinch zumindest wurde bereits mehrfach verfilmt. Nun schaffte es Anfang des Jahres eine weitere Figur aus seiner Feder auf die Kinoleinwände in Deutschland und erscheint in dieser Woche auf DVD:
„Der Lorax“
In der kleinen Stadt Thneedville scheint das Leben noch in Ordnung zu sein. Das typisch amerikanische Vorstadt-Flair streicht durch die gepflegten Straßen. Die Menschen gehen ihrer Arbeit nach, Kinder spielen und Familien shoppen in der nah gelegenen Mall. Auf den ersten Blick eine wahre Idylle. Beim zweiten Blick ergeben sich jedoch erste Ungereimtheiten. In erster Linie fällt das völlige Fehlen von Natur auf. In den Gärten der Leute ist Kunstgras verlegt, die Straßen säumen Plastikbäume und Vogelgesang sucht man vergebens. Stattdessen kreuzen überall in den Straßen Lieferwagen, welche den Leuten frische Atemluft verkaufen. Diese wird vom Stadt-Patriarchen Aloysius O`Hare abgefüllt, der sauerstoffspendende Bäume als natürliche Konkurrenz für sein Geschäftsmodel ansieht.
Mitten in dieser abgeschotteten Stadt lebt der 12jährige Ted, welcher sich nur wenige Gedanken um seine Umwelt macht. Mit seinem Roller düst er durch die Straßen und hat seit kurzem eine neue Leidenschaft, seine Nachbarin Audrey. Ted hat sich unsterblich in sie verliebt und versucht nun ihr zu imponieren. Die etwas ältere Audrey ist jedoch ein echter Naturfreund. In ihrer Freizeit malt sie Wälder, Landschaften und Wiesen, nichts wünscht sie sich sehnlicher als einen echten Baum in ihrem Garten.
Dies ist das Stichwort für Ted. Von seiner Großmutter erfährt er von einer mysteriösen Person außerhalb der Stadt, welche alles über Bäume wisse. Also beschließt der Junge sich dort hin zu schleichen. Sein wahrscheinlich größtes Abenteuer hat soeben begonnen.
Schützt den Wald, rettet die Bäume, haltet die Natur in Ehren. Die Moral von „Der Lorax“ ist nicht schwer zu entschlüsseln und sicher jedem zugänglich. Worauf es aber ankommt, ist die Umsetzung und die ist bei diesem Film erstaunlich gut gelungen.
Schöne Gesangseinlagen wechseln sich mit bissigem Humor ab, wie man ihn in einem Disney Animationsfilm nicht finden würde. Verbreitet wird die freche-fröhliche Stimmung durch die Figur des Lorax. Dieser glänzt durch einen (in der deutschen Sprachfassung) niederländischen Akzent der toll ins Gesamtbild passt und die vielen zuckersüß animierten Waldbewohner die bewusst einen starken Kontrast zur Hauptfigur bilden.
Geschickt hat man die Kurve bekommen und den Humor so gestaltet, dass auch kleine Kinder etwas mit dem Film anfangen können und schnell eine Identifikationsfigur finden. An der Qualität der Animationen lässt sich nichts aussetzen.
Insgesamt hinterlässt „Der Lorax“ ein durchweg positives Bild. Selten habe ich eine Moral schöner verpackt gesehen wie in diesem Film. Zwar mag die Handlung recht einfach gestrickt sein, doch es ist in erster Linie nun einmal ein Film für kleinere Kinder. Dank des stellenweise bissigen Humors – weitab vom Disney Einerlei - haben aber auch die Eltern etwas vom Lorax. Von meiner Seite also eine Kaufempfehlung. „Der Lorax“ ist der ideale vorweihnachtliche Fernsehspaß für die ganze Familie.
Der Trailer macht Lust auf mehr:
Mittwoch, 21. November 2012
Sonntag, 18. November 2012
Kevin und James allein zu Haus
Leute, ich bin echt in der Zwickmühle! Habt Ihr das auch schon mal gehabt? In einem Film scheinen alle Komponenten zusammen zu passen, Regie, Action, Darsteller … trotzdem kann Euch das Machwerk in Gänze nicht überzeugen?
Wenn ich Euch jetzt noch sage, dass ich gerade aus dem neusten Bond-Abenteuer komme, werdet Ihr mich dann alle hassen? Naja, ganz so schlimm wird es nun auch nicht in:
„James Bond 007: Skyfall“
Der britische Geheimdienst MI6 ist in seiner Tätigkeit ein wenig über das Ziel hinaus geschossen, als er eine Liste aller NATO-Agenten erstellte, welche man in Organisationen islamischen Terrors eingeschleuste. Noch dicker kommt es, als eine Festplatte mit dieser brisanten Liste in die falschen Hände gerät.
James Bond und Agentin Eve sind in Istanbul gerade mit der Wiederbeschaffung beschäftigt, als Geheimdienstchefin M in eine unangenehme Situation gerät. Bond kämpft mit einem der Terroristen auf dem Dach eines Zuges, der Zugriff auf die Festplatte ist nur noch wenige Sekunden möglich, gibt sie den Befehl mit einem Gewehr auf beide zu schießen und riskiert damit das Leben von 007?
Der Schuss fällt … und trifft den Falschen. Mit einer Kugel in der Brust wird Bond vom Dach des Zuges gefegt und stürzt von einem Viadukt in die Tiefe. Agentenkollegin Eve muss tatenlos dabei zusehen und das Gewissen von M wird mit einer weiteren Fehlentscheidung belastet.
Viel Zeit zum Überlegen bleibt ihr jedoch nicht. Die Verbrecher machen schnell von ihren erbeuteten Daten Gebrauch. Medienwirksam beginnen sie damit, jede Woche fünf Agenten zu enttarnen. Dies ist natürlich folgenreich für die betroffenen Personen. Nachdem so bereits zwei britische Agenten ihr Leben verloren, kommt M als Geheimdienstchefin in Bedrängnis. Doch nicht die Schurken, sondern vielmehr die Politik machen ihr zu schaffen. Die Rufe nach einem Rücktritt werden immer lauter. Völlig unverständlich für eine Frau für welche die Sicherheit ihres Landes im Vordergrund steht und nicht die Ränkeleien der politischen Blöcke.
Aber auch die Gegenseite schläft nicht. Mit Raoul Silva taucht eine längst vergessene Figur aus der Vergangenheit von M auf und konfrontiert sie nicht nur mit unangenehmen Wahrheiten sondern auch einem perfekt ausgearbeiteten Plan für einen Anschlag. Jetzt wäre ein Doppel-Null Agent dringend notwendig … mehr wird für alle Unwissenden an dieser Stelle nicht verraten.
Wie es im oberen Absatz bereits anklang, so recht wollte mich das 23. Abenteuer des britischen Top-Agenten im Auftrag ihrer Majestät nicht in seinen Bann ziehen. Dies ist verwunderlich, schließlich sind die Actionszenen im Film enorm aufwendig gestaltet und sehr gut choreographiert. Auch die Darsteller, allen voran natürlich Daniel Craig, passen hervorragend in ihre Rollen. Trotzdem war der Film an zu vielen Stellen einfach nur langatmig. Die Dialoge zwischen dem Oberschurken Raoul Silva und M bzw. Bond sind oftmals einfach zu ausufernd. Was mich auch störte war die viel zu vorhersehbare Handlung. Fast jede Wendung im Film ließ sich erahnen, jeden anderem Film würde ich diesen Umstand bei der Kritik um die Ohren hauen, warum also nicht einem James Bond? Witzig war einzig die Passage im schottischen Landsitz, als man Bonds Kindheitshaus mit Waffen präpariert um die Bösewichter zu vertreiben. An der Stelle kam ein wenig die Atmosphäre von „Kevin allein zu Haus“ auf, was vom Regisseur sicher nicht beabsichtigt war.
Insgesamt hat sich mein Bauchgefühl bestätigt. Bereits beim letzten 007 Ausflug „Ein Quantum Trost“ habe ich mich ein wenig geärgert im Kino gewesen zu sein. „Skyfall“ kann die Bilanz nicht wirklich aufbessern. Der Film ist zu langatmig, hier wären mal wieder 30 Minuten weniger angebracht gewesen. Auch wenn die Action beeindruckend ist, so bleibt die Handlung vorhersehbar und mittelprächtig. Nach dem Kinobesuch hörte ich durch alle Altersklassen nur positives Oh! und Ah! – welches ich nicht nachvollziehen kann. Deshalb komme ich immer mehr zu der Einsicht das „James Bond“ vor allem aus der Vergangenheit eine Art Bonus zieht und von allen auf ein Podest gehoben wird. Jeder andere Film mit 143 Minuten und einer solch faden Story hätte es schwer gehabt.
Ich jedoch fasse mir den Mut und bleibe bei meinem kompromisslosen Urteil. Viele werden jetzt mit dem Kopf schütteln, doch ich sage, der neue Bond ist wieder einmal nur Mittelmaß und bekommt deshalb und wegen der hohen Erwartungen an ein solches Franchise nur magere zwei Sterne von mir. Da gibt es eindeutig bessere Actionstreifen!
Trotzdem hier der Trailer:
Wenn ich Euch jetzt noch sage, dass ich gerade aus dem neusten Bond-Abenteuer komme, werdet Ihr mich dann alle hassen? Naja, ganz so schlimm wird es nun auch nicht in:
„James Bond 007: Skyfall“
Der britische Geheimdienst MI6 ist in seiner Tätigkeit ein wenig über das Ziel hinaus geschossen, als er eine Liste aller NATO-Agenten erstellte, welche man in Organisationen islamischen Terrors eingeschleuste. Noch dicker kommt es, als eine Festplatte mit dieser brisanten Liste in die falschen Hände gerät.
James Bond und Agentin Eve sind in Istanbul gerade mit der Wiederbeschaffung beschäftigt, als Geheimdienstchefin M in eine unangenehme Situation gerät. Bond kämpft mit einem der Terroristen auf dem Dach eines Zuges, der Zugriff auf die Festplatte ist nur noch wenige Sekunden möglich, gibt sie den Befehl mit einem Gewehr auf beide zu schießen und riskiert damit das Leben von 007?
Der Schuss fällt … und trifft den Falschen. Mit einer Kugel in der Brust wird Bond vom Dach des Zuges gefegt und stürzt von einem Viadukt in die Tiefe. Agentenkollegin Eve muss tatenlos dabei zusehen und das Gewissen von M wird mit einer weiteren Fehlentscheidung belastet.
Viel Zeit zum Überlegen bleibt ihr jedoch nicht. Die Verbrecher machen schnell von ihren erbeuteten Daten Gebrauch. Medienwirksam beginnen sie damit, jede Woche fünf Agenten zu enttarnen. Dies ist natürlich folgenreich für die betroffenen Personen. Nachdem so bereits zwei britische Agenten ihr Leben verloren, kommt M als Geheimdienstchefin in Bedrängnis. Doch nicht die Schurken, sondern vielmehr die Politik machen ihr zu schaffen. Die Rufe nach einem Rücktritt werden immer lauter. Völlig unverständlich für eine Frau für welche die Sicherheit ihres Landes im Vordergrund steht und nicht die Ränkeleien der politischen Blöcke.
Aber auch die Gegenseite schläft nicht. Mit Raoul Silva taucht eine längst vergessene Figur aus der Vergangenheit von M auf und konfrontiert sie nicht nur mit unangenehmen Wahrheiten sondern auch einem perfekt ausgearbeiteten Plan für einen Anschlag. Jetzt wäre ein Doppel-Null Agent dringend notwendig … mehr wird für alle Unwissenden an dieser Stelle nicht verraten.
Wie es im oberen Absatz bereits anklang, so recht wollte mich das 23. Abenteuer des britischen Top-Agenten im Auftrag ihrer Majestät nicht in seinen Bann ziehen. Dies ist verwunderlich, schließlich sind die Actionszenen im Film enorm aufwendig gestaltet und sehr gut choreographiert. Auch die Darsteller, allen voran natürlich Daniel Craig, passen hervorragend in ihre Rollen. Trotzdem war der Film an zu vielen Stellen einfach nur langatmig. Die Dialoge zwischen dem Oberschurken Raoul Silva und M bzw. Bond sind oftmals einfach zu ausufernd. Was mich auch störte war die viel zu vorhersehbare Handlung. Fast jede Wendung im Film ließ sich erahnen, jeden anderem Film würde ich diesen Umstand bei der Kritik um die Ohren hauen, warum also nicht einem James Bond? Witzig war einzig die Passage im schottischen Landsitz, als man Bonds Kindheitshaus mit Waffen präpariert um die Bösewichter zu vertreiben. An der Stelle kam ein wenig die Atmosphäre von „Kevin allein zu Haus“ auf, was vom Regisseur sicher nicht beabsichtigt war.
Insgesamt hat sich mein Bauchgefühl bestätigt. Bereits beim letzten 007 Ausflug „Ein Quantum Trost“ habe ich mich ein wenig geärgert im Kino gewesen zu sein. „Skyfall“ kann die Bilanz nicht wirklich aufbessern. Der Film ist zu langatmig, hier wären mal wieder 30 Minuten weniger angebracht gewesen. Auch wenn die Action beeindruckend ist, so bleibt die Handlung vorhersehbar und mittelprächtig. Nach dem Kinobesuch hörte ich durch alle Altersklassen nur positives Oh! und Ah! – welches ich nicht nachvollziehen kann. Deshalb komme ich immer mehr zu der Einsicht das „James Bond“ vor allem aus der Vergangenheit eine Art Bonus zieht und von allen auf ein Podest gehoben wird. Jeder andere Film mit 143 Minuten und einer solch faden Story hätte es schwer gehabt.
Ich jedoch fasse mir den Mut und bleibe bei meinem kompromisslosen Urteil. Viele werden jetzt mit dem Kopf schütteln, doch ich sage, der neue Bond ist wieder einmal nur Mittelmaß und bekommt deshalb und wegen der hohen Erwartungen an ein solches Franchise nur magere zwei Sterne von mir. Da gibt es eindeutig bessere Actionstreifen!
Trotzdem hier der Trailer:
Sonntag, 11. November 2012
Das Salz in der Suppe
In Ordnung, also von Horror habe ich erst einmal eine Weile genug, Zeit mal wieder sich dem anspruchsvolleren Kino zu widmen. Da kam mir am gestrigen Tag eine brandaktuelle französische Komödie mit Jean Reno in der Hauptrolle gerade recht.
„Kochen ist Chefsache“
Alexandre Lagarde ist ein anerkannter Sternekoch in Paris. Neben einigen Edelrestaurants in bester Lage hat er auch eine angesehene Kochshow im Fernsehen. In jeder Saison und zu jeder Jahreszeit kredenzt er seinen Gästen und dem Publikum eine entsprechende Speisekarte.
Vor kurzem jedoch wurde sein Kochimperium, einschließlich Restaurant und Markenname „Lagarde“, von einem riesigen Konzern aufgekauft. Dessen Chef Stanislas Matter ist vor allem an einem interessiert, Profit. So wird Alexandre damit konfrontiert, dass man tiefgekühlte Fertigprodukte unter seinem Namen in die Regale von Supermärkten bringen möchte und auch sonst sei seine Küche nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Im vorprogrammierten Streit überwirft sich Alexandre mit Matter, welcher ihn daraufhin aus seinem Vertrag werfen möchte. Dies geht jedoch nur wenn der Starkoch einen seiner angesehenen Sterne verliert. Fortan setzt der Konzernchef alles daran dies in die Tat umzusetzen. Kritiker und Tester werden ausgeschickt um Lagarde ans Leder zu gehen.
Dumm nur dass der Meister gerade in diesem Moment eine sowohl private als auch schöpferische Krise durchläuft.
Bei einem Besuch im Altersheim läuft ihm der blitzbegabte Maler Jacky Bonnot über den Weg. Um der Arbeitslosigkeit zu entrinnen, musste er den Job als Anstreicher annehmen, seine Leidenschaft ist jedoch das Kochen. Junge frische Ideen sind sein Ding, doch seine große Klappe kann er nie halten. Ist er vielleicht der Richtige um das Vermächtnis des großen Alexandre Lagarde zu retten?
Bei solch großen Namen wie Jean Reno und der opulenten Presse im Juni diesen Jahres, als der Film in die deutschen Kinos lief, waren meine Erwartungen sehr hoch gesteckt.
Die Idee eines Starkochs in der Krise ist, wie ich finde, eine tolle Bühne für eine französische Komödie. Frische Zutaten, leckeres Essen, ausufernde Vier-Gänge-Menüs – was würde besser zu Frankreich passen. Auch die beiden Hauptdarsteller Jean Reno und Michaël Youn machen alles richtig. Leider hat Regisseur Daniel Cohen scheinbar vergessen, dass nur diese beiden Zutaten nicht ausreichen um einen tollen Film zu kreieren.
So fehlt schlussendlich eine ganze Prise Salz in der Suppe um „Kochen ist Chefsache“ zu einem außergewöhnlichen Film zu machen. Hier möchte ich insbesondere die Nebenfiguren erwähnen, die im gesamten Film sträflich vernachlässigt werden. Sowohl die schwangere Frau von Jacky Bonnot, als auch das schwierige Verhältnis von Lagarde zu seiner Tochter werden unzureichend beleuchtet. Diese Figuren bleiben für den Zuschauer nur schwammige Statisten, was in einer guten Handlung nicht passieren darf.
Auch sonst plätschert die Story in einem eher uninspirierten, gemächlichen Lauf einem vorhersehbaren Ende entgegen. Ich bin kein Filmschaffender um einschätzen zu können wie man den Film hätte besser gedreht. Auf alle Fälle wären ihm ein paar dramatischere Wendungen und eine halbe Stunde mehr Laufzeit (der Streifen geht nur 85 Minuten) gut bekommen.
Am Ende bleibt eine zwar hoch gelobte, dafür aber recht unspektakuläre Komödie aus französischen Landen. Meine Erwartungen an „Kochen ist Chefsache“ waren weit höher angesetzt. Für einen gemütlichen Fernsehabend mit dem Partner mag der Film reichen. In meine Top-Ten-Liste der schönsten französischen Filme, schafft es Jean Reno diesmal nicht. Deshalb an dieser Stelle nur knappe drei Sterne.
Hier der Trailer:
„Kochen ist Chefsache“
Alexandre Lagarde ist ein anerkannter Sternekoch in Paris. Neben einigen Edelrestaurants in bester Lage hat er auch eine angesehene Kochshow im Fernsehen. In jeder Saison und zu jeder Jahreszeit kredenzt er seinen Gästen und dem Publikum eine entsprechende Speisekarte.
Vor kurzem jedoch wurde sein Kochimperium, einschließlich Restaurant und Markenname „Lagarde“, von einem riesigen Konzern aufgekauft. Dessen Chef Stanislas Matter ist vor allem an einem interessiert, Profit. So wird Alexandre damit konfrontiert, dass man tiefgekühlte Fertigprodukte unter seinem Namen in die Regale von Supermärkten bringen möchte und auch sonst sei seine Küche nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Im vorprogrammierten Streit überwirft sich Alexandre mit Matter, welcher ihn daraufhin aus seinem Vertrag werfen möchte. Dies geht jedoch nur wenn der Starkoch einen seiner angesehenen Sterne verliert. Fortan setzt der Konzernchef alles daran dies in die Tat umzusetzen. Kritiker und Tester werden ausgeschickt um Lagarde ans Leder zu gehen.
Dumm nur dass der Meister gerade in diesem Moment eine sowohl private als auch schöpferische Krise durchläuft.
Bei einem Besuch im Altersheim läuft ihm der blitzbegabte Maler Jacky Bonnot über den Weg. Um der Arbeitslosigkeit zu entrinnen, musste er den Job als Anstreicher annehmen, seine Leidenschaft ist jedoch das Kochen. Junge frische Ideen sind sein Ding, doch seine große Klappe kann er nie halten. Ist er vielleicht der Richtige um das Vermächtnis des großen Alexandre Lagarde zu retten?
Bei solch großen Namen wie Jean Reno und der opulenten Presse im Juni diesen Jahres, als der Film in die deutschen Kinos lief, waren meine Erwartungen sehr hoch gesteckt.
Die Idee eines Starkochs in der Krise ist, wie ich finde, eine tolle Bühne für eine französische Komödie. Frische Zutaten, leckeres Essen, ausufernde Vier-Gänge-Menüs – was würde besser zu Frankreich passen. Auch die beiden Hauptdarsteller Jean Reno und Michaël Youn machen alles richtig. Leider hat Regisseur Daniel Cohen scheinbar vergessen, dass nur diese beiden Zutaten nicht ausreichen um einen tollen Film zu kreieren.
So fehlt schlussendlich eine ganze Prise Salz in der Suppe um „Kochen ist Chefsache“ zu einem außergewöhnlichen Film zu machen. Hier möchte ich insbesondere die Nebenfiguren erwähnen, die im gesamten Film sträflich vernachlässigt werden. Sowohl die schwangere Frau von Jacky Bonnot, als auch das schwierige Verhältnis von Lagarde zu seiner Tochter werden unzureichend beleuchtet. Diese Figuren bleiben für den Zuschauer nur schwammige Statisten, was in einer guten Handlung nicht passieren darf.
Auch sonst plätschert die Story in einem eher uninspirierten, gemächlichen Lauf einem vorhersehbaren Ende entgegen. Ich bin kein Filmschaffender um einschätzen zu können wie man den Film hätte besser gedreht. Auf alle Fälle wären ihm ein paar dramatischere Wendungen und eine halbe Stunde mehr Laufzeit (der Streifen geht nur 85 Minuten) gut bekommen.
Am Ende bleibt eine zwar hoch gelobte, dafür aber recht unspektakuläre Komödie aus französischen Landen. Meine Erwartungen an „Kochen ist Chefsache“ waren weit höher angesetzt. Für einen gemütlichen Fernsehabend mit dem Partner mag der Film reichen. In meine Top-Ten-Liste der schönsten französischen Filme, schafft es Jean Reno diesmal nicht. Deshalb an dieser Stelle nur knappe drei Sterne.
Hier der Trailer:
Freitag, 9. November 2012
Blutiges Horror-Remake
Horror ist einfach nicht mein Milieu, wenn es dann auch noch widerlich wird, schau ich besser weg. Eigentlich hätte ich das gestern Abend auch tun sollen. Was aber hätte ich dann an dieser Stelle geschrieben?
„Piranha 3D“
Lake Victoria in den USA. Gelegen in einem ansonsten eher abgeschiedenen Landstrich, findet hier einmal im Jahr ein wahres Happening statt. „Spring Break“ nennt sich das Event bei dem sich scheinbar tausende, leicht bekleidete Jugendliche mit Alkohol voll laufen lassen, feiern und andere verbotene Dinge tun. Die Stadt am Rande des Sees ist scheinbar gewappnet, trotzdem kommt es zu einem anfänglich für harmlos gehaltenen Zwischenfall.
Angler Matthew Boyd ist mit seinem Boot hinaus gefahren um zu angeln. Plötzlich erschüttert ein Grollen die Umgebung. Ein Erdbeben durchläuft den Landstrich. Mitten im See öffnet sich eine Spalte und gibt den Weg ins Erdinnere frei. Was nämlich keiner weiß, unter dem See befindet sich noch ein Gewässer, welches seit prähistorischen Zeiten von der Außenwelt abgeschottet existierte. Dort entwickelte sich eine brandgefährliche Lebensform, welche nun durch den Spalt in den unvorbereiteten Lake Victoria gelangt.
Die Jugendlichen auf den Yachten und am Strand ahnen noch nichts von der Gefahr, doch dies wird nicht lange so bleiben.
Was dann kommt, kann man sich an fünf Fingern abzählen. Vorausgesetzt man besitzt noch alle Finger. Die urzeitlichen Piranhas strömen aus der Tiefe und fallen die Jugendlichen an. Während am Anfang nur der ein oder andere Teenager verschwindet, kommt es später zu einer wahren Massenpanik.
Ich glaube zu viel kann man bei einem solchen Film über die Handlung nicht verraten. Diese ist nämlich mehr als einfach gestrickt und man weiß im Grunde wie es ausgeht. Nur ein sehr kleiner Teil der Darsteller wird überleben. Man kann eigentlich nur raten wer und wie viele es sein werden.
„Piranha 3D“ macht da keine Ausnahme. Die Story plätschert ohne Höhepunkte oder Wendungen vor sich hin und „begeistert“ den Zuschauer durch immer ekliger werdende Horrorszenen.
In der mir vorliegenden FSK 18 Fassung muss man mit anschauen wie einem Mädel der Skalp von der Kopfhaut gerissen wird, ein männliche Geschlechtsteil fällt den Fischen zum Opfer oder eines der Biester beißt sich durch den Schädel eines Models. Subtilen Horror sucht man in diesem Streifen vergebens. Hier regiert eindeutig der teils geschmacklose Splatter. Mein Fall ist dies eindeutig nicht.
In der Summe kann man sagen. Wer keine Probleme beim Einschlafen hat, auf Handlung verzichten kann, halbnackte Mädels mag und auf computeranimierten Ekel sowie jede Menge Blut steht, sollte sich „Piranha 3D“ antun. Für alle anderen gibt es sicher bessere Alternativen um die knapp 90 Minuten herum zu bekommen. Einzig erwähnenswert ist vielleicht noch der kurze Gastauftritt von Christopher Lloyd und die Tatsache dass dieser Tage gerade eine Fortsetzung in den Handel kommt, diesmal mit David Hasselhoff. Mal schauen ob ich mir den auch noch antue. ;o)
Hier ein eher harmloser Trailer:
„Piranha 3D“
Lake Victoria in den USA. Gelegen in einem ansonsten eher abgeschiedenen Landstrich, findet hier einmal im Jahr ein wahres Happening statt. „Spring Break“ nennt sich das Event bei dem sich scheinbar tausende, leicht bekleidete Jugendliche mit Alkohol voll laufen lassen, feiern und andere verbotene Dinge tun. Die Stadt am Rande des Sees ist scheinbar gewappnet, trotzdem kommt es zu einem anfänglich für harmlos gehaltenen Zwischenfall.
Angler Matthew Boyd ist mit seinem Boot hinaus gefahren um zu angeln. Plötzlich erschüttert ein Grollen die Umgebung. Ein Erdbeben durchläuft den Landstrich. Mitten im See öffnet sich eine Spalte und gibt den Weg ins Erdinnere frei. Was nämlich keiner weiß, unter dem See befindet sich noch ein Gewässer, welches seit prähistorischen Zeiten von der Außenwelt abgeschottet existierte. Dort entwickelte sich eine brandgefährliche Lebensform, welche nun durch den Spalt in den unvorbereiteten Lake Victoria gelangt.
Die Jugendlichen auf den Yachten und am Strand ahnen noch nichts von der Gefahr, doch dies wird nicht lange so bleiben.
Was dann kommt, kann man sich an fünf Fingern abzählen. Vorausgesetzt man besitzt noch alle Finger. Die urzeitlichen Piranhas strömen aus der Tiefe und fallen die Jugendlichen an. Während am Anfang nur der ein oder andere Teenager verschwindet, kommt es später zu einer wahren Massenpanik.
Ich glaube zu viel kann man bei einem solchen Film über die Handlung nicht verraten. Diese ist nämlich mehr als einfach gestrickt und man weiß im Grunde wie es ausgeht. Nur ein sehr kleiner Teil der Darsteller wird überleben. Man kann eigentlich nur raten wer und wie viele es sein werden.
„Piranha 3D“ macht da keine Ausnahme. Die Story plätschert ohne Höhepunkte oder Wendungen vor sich hin und „begeistert“ den Zuschauer durch immer ekliger werdende Horrorszenen.
In der mir vorliegenden FSK 18 Fassung muss man mit anschauen wie einem Mädel der Skalp von der Kopfhaut gerissen wird, ein männliche Geschlechtsteil fällt den Fischen zum Opfer oder eines der Biester beißt sich durch den Schädel eines Models. Subtilen Horror sucht man in diesem Streifen vergebens. Hier regiert eindeutig der teils geschmacklose Splatter. Mein Fall ist dies eindeutig nicht.
In der Summe kann man sagen. Wer keine Probleme beim Einschlafen hat, auf Handlung verzichten kann, halbnackte Mädels mag und auf computeranimierten Ekel sowie jede Menge Blut steht, sollte sich „Piranha 3D“ antun. Für alle anderen gibt es sicher bessere Alternativen um die knapp 90 Minuten herum zu bekommen. Einzig erwähnenswert ist vielleicht noch der kurze Gastauftritt von Christopher Lloyd und die Tatsache dass dieser Tage gerade eine Fortsetzung in den Handel kommt, diesmal mit David Hasselhoff. Mal schauen ob ich mir den auch noch antue. ;o)
Hier ein eher harmloser Trailer:
Sonntag, 4. November 2012
Medienkritik in Reinform
Nach recht aktuellen und bekannten Streifen in den letzten Wochen, habe ich mich am gestrigen Abend mal wieder einer Filmempfehlung aus dem Freundeskreis gewidmet. Geschaut habe ich eine deutsch/österreichische Mediensatire aus dem Jahr 2007, die laut Kurzbeschreibung genau meinen Geschmack treffen sollte:
„Free Rainer – Dein Fernseher lügt“
Rainer ist erfolgsverwöhnter Produzent beim führenden deutschen Privatsender TTS. Als Entwickler vieler Formate etwa Talkshows, Reality-Soaps oder der Show „Hol Dir das Superbaby“ ist er maßgeblich für den Erfolg seines Arbeitgebers verantwortlich und wird von diesem gefeiert wie ein Popstar. Die von ihm produzierten Sendungen bedienen dabei zumeist das typische Unterschichtenklientel und bedienen die niederen Instinkte der Zuschauer. Da treten am Samstagabend die Spermien dreier Männer in einem Wettrennen gegeneinander an um am Ende der Show eine Frau für sich zu erobern oder Sozialhilfeempfänger werden von einem Kamerateam verfolgt um sie in den peinlichsten Momenten abzulichten.
Desweiteren werden auch sogenannte Nachrichtenformate von Rainer produziert. In den vorgeblichen Nachrichtensendungen kommen seriöse Meldungen jedoch kaum zum Zug. Im Kampf um die Quote werden die Promis belauert und skandalträchtige Geschichten ausgegraben. Mit der Recherche nimmt es der Produzent oftmals nicht so genau. Wenigstens es bringt Quote. Dass er damit teilweise das Leben und die Reputation von Menschen zerstört, nimmt er billigend in Kauf.
Doch auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, ist das Leben nicht wirklich gut zu Rainer. Abgefeiert von seinen speichelleckenden Kollegen und Vorgesetzten, spürt Rainer zunehmend die soziale Kälte um ihn herum und beginnt Kokain zu nehmen. Als dann auch noch die junge Frau Pegah auf den Plan tritt, krempelt sich sein Leben völlig um.
Von einer seiner Reportagen in den Selbstmord getrieben, versucht Pegah ihren Großvater zu rächen und Rainer dafür umzubringen. Das Attentat misslingt und beide kommen sich im Krankenhaus näher. Hier hat der Star-Produzent eine Offenbarung. Was wäre, wenn man das Publikum dazu bringen könnte vom Unterschichten Fernsehen Abstand zu nehmen?
Wie eingangs erwähnt, trifft die Thematik von „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ nicht nur meinen privaten Geschmack sondern spiegelt im Grunde auch meine persönliche Meinung wieder. Kurz und knapp: „Reality-Soaps, Talkshows und der ganze andere Nonsens im Privatfernsehen verblödet die Bevölkerung und diese merkt es nicht einmal.“.
Die Herangehensweise des österreichischen Regisseurs Hans Weingartner ist dabei köstlich. Rainer beginnt die Einschaltquoten zu manipulieren und zwingt Privatsender mit marktwirtschaftlichen Zwängen dazu Literatursendungen über Goethe und Schiller zu produzieren. Am Samstagabend laufen zur besten Sendezeit Dokumentationen und die bisher etablierten Castingshows verlieren zunehmend an Boden und werden dem Druck der Werbeindustrie geopfert.
Die Menschen beginnen nach anfänglichem Protest die neue Medienkultur zu akzeptieren. Heranwachsende Kinder werfen die Glotze aus dem Fenster und treffen sich wieder mit Freunden, Jugendliche verabreden sich im Park um zu lesen und Rentner diskutieren bei einem Elbespaziergang das Abendprogramm eines Privatsenders.
Einfach köstlich! Ein Volk das Goethe liest und Literatur diskutiert. So sähe eine bessere Welt in der deutschen aber auch internationalen Medienlandschaft aus. Inhaltlich deshalb Daumen hoch für den Film.
Wo Licht ist, dort findet man aber immer auch Schatten. So kränkelt „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ trotz toller Idee und gelungener Satire vor allem an der ausufernden Laufzeit des Films. In der ersten Stunde wird ein wenig zu ausführlich das Vorleben des Produzenten Rainer gezeigt.
Die eigentliche Handlung kommt viel zu spät in Tritt, was zu unnötigen Längen im Film führt. Mal ehrlich das Thema hätte man ein wenig knackiger verpacken sollen. Über zwei Stunden sind für eine deutsche Produktion einfach tödlich. Da helfen auch die gut spielenden Darsteller wie etwa Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle nichts.
Im Fazit ein amüsant, anspruchsvoller Film, der ein wenig über seine eigenen Beine oder sagen wir besser die eigene Laufzeit stolpert. 45 Minuten weniger Spielzeit hätten gut getan und „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ auch einem etwas breiterem Publikum zugänglicher gemacht. So wird der Film aber weiter einem eher kleineren Publikum zusprechen, was aufgrund der Thematik sehr schade ist. Deshalb bekommt der Film von mir diesmal nur drei Sterne.
Anspruchsvolles Kino nicht für jedermann und zur richtigen Zeit. Eindeutig nicht massentauglich, deswegen aber nicht weniger sehenswert.
Hier der Trailer aus dem Jahr 2007:
„Free Rainer – Dein Fernseher lügt“
Rainer ist erfolgsverwöhnter Produzent beim führenden deutschen Privatsender TTS. Als Entwickler vieler Formate etwa Talkshows, Reality-Soaps oder der Show „Hol Dir das Superbaby“ ist er maßgeblich für den Erfolg seines Arbeitgebers verantwortlich und wird von diesem gefeiert wie ein Popstar. Die von ihm produzierten Sendungen bedienen dabei zumeist das typische Unterschichtenklientel und bedienen die niederen Instinkte der Zuschauer. Da treten am Samstagabend die Spermien dreier Männer in einem Wettrennen gegeneinander an um am Ende der Show eine Frau für sich zu erobern oder Sozialhilfeempfänger werden von einem Kamerateam verfolgt um sie in den peinlichsten Momenten abzulichten.
Desweiteren werden auch sogenannte Nachrichtenformate von Rainer produziert. In den vorgeblichen Nachrichtensendungen kommen seriöse Meldungen jedoch kaum zum Zug. Im Kampf um die Quote werden die Promis belauert und skandalträchtige Geschichten ausgegraben. Mit der Recherche nimmt es der Produzent oftmals nicht so genau. Wenigstens es bringt Quote. Dass er damit teilweise das Leben und die Reputation von Menschen zerstört, nimmt er billigend in Kauf.
Doch auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, ist das Leben nicht wirklich gut zu Rainer. Abgefeiert von seinen speichelleckenden Kollegen und Vorgesetzten, spürt Rainer zunehmend die soziale Kälte um ihn herum und beginnt Kokain zu nehmen. Als dann auch noch die junge Frau Pegah auf den Plan tritt, krempelt sich sein Leben völlig um.
Von einer seiner Reportagen in den Selbstmord getrieben, versucht Pegah ihren Großvater zu rächen und Rainer dafür umzubringen. Das Attentat misslingt und beide kommen sich im Krankenhaus näher. Hier hat der Star-Produzent eine Offenbarung. Was wäre, wenn man das Publikum dazu bringen könnte vom Unterschichten Fernsehen Abstand zu nehmen?
Wie eingangs erwähnt, trifft die Thematik von „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ nicht nur meinen privaten Geschmack sondern spiegelt im Grunde auch meine persönliche Meinung wieder. Kurz und knapp: „Reality-Soaps, Talkshows und der ganze andere Nonsens im Privatfernsehen verblödet die Bevölkerung und diese merkt es nicht einmal.“.
Die Herangehensweise des österreichischen Regisseurs Hans Weingartner ist dabei köstlich. Rainer beginnt die Einschaltquoten zu manipulieren und zwingt Privatsender mit marktwirtschaftlichen Zwängen dazu Literatursendungen über Goethe und Schiller zu produzieren. Am Samstagabend laufen zur besten Sendezeit Dokumentationen und die bisher etablierten Castingshows verlieren zunehmend an Boden und werden dem Druck der Werbeindustrie geopfert.
Die Menschen beginnen nach anfänglichem Protest die neue Medienkultur zu akzeptieren. Heranwachsende Kinder werfen die Glotze aus dem Fenster und treffen sich wieder mit Freunden, Jugendliche verabreden sich im Park um zu lesen und Rentner diskutieren bei einem Elbespaziergang das Abendprogramm eines Privatsenders.
Einfach köstlich! Ein Volk das Goethe liest und Literatur diskutiert. So sähe eine bessere Welt in der deutschen aber auch internationalen Medienlandschaft aus. Inhaltlich deshalb Daumen hoch für den Film.
Wo Licht ist, dort findet man aber immer auch Schatten. So kränkelt „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ trotz toller Idee und gelungener Satire vor allem an der ausufernden Laufzeit des Films. In der ersten Stunde wird ein wenig zu ausführlich das Vorleben des Produzenten Rainer gezeigt.
Die eigentliche Handlung kommt viel zu spät in Tritt, was zu unnötigen Längen im Film führt. Mal ehrlich das Thema hätte man ein wenig knackiger verpacken sollen. Über zwei Stunden sind für eine deutsche Produktion einfach tödlich. Da helfen auch die gut spielenden Darsteller wie etwa Moritz Bleibtreu in der Hauptrolle nichts.
Im Fazit ein amüsant, anspruchsvoller Film, der ein wenig über seine eigenen Beine oder sagen wir besser die eigene Laufzeit stolpert. 45 Minuten weniger Spielzeit hätten gut getan und „Free Rainer – Dein Fernseher lügt“ auch einem etwas breiterem Publikum zugänglicher gemacht. So wird der Film aber weiter einem eher kleineren Publikum zusprechen, was aufgrund der Thematik sehr schade ist. Deshalb bekommt der Film von mir diesmal nur drei Sterne.
Anspruchsvolles Kino nicht für jedermann und zur richtigen Zeit. Eindeutig nicht massentauglich, deswegen aber nicht weniger sehenswert.
Hier der Trailer aus dem Jahr 2007:
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