Sonntag, 29. April 2012

Pathos vs. Aliens

Eigentlich sollte es an diesem Wochenende bei uns mal nur auf dem Grill heiß her gehen. Leckere Steaks vom Rind, Grillspieße in Kräutermarinade … oh, man was soll man sonst bei Temperaturen um die 30°C machen außer zu grillen?

Naja, irgendwann war dann doch das letzte Steak verdrückt, die Hitze wurde ein wenig zu viel und ich habe mich am späten Nachmittag vor meinen Blu-Ray-Player verdrückt um endlich mal einen schon etwas betagteren Blockbuster zu schauen, der seit Monaten bei mir auf dem Schreibtisch lag.

„World Invasion: Battle Los Angeles“

Staff Sergeant Nantz ist nach zwanzig Jahren Dienst bei den Marines sowie einem mehr als unglücklich verlaufenen Einsatz in Afghanistan seiner Rolle als Soldat müde. Er bittet um seine Entlassung aus der US-Army .
Dazu soll es jedoch nicht kommen. Nur wenige Stunden vor seinem Dienstende, tauchen geheimnisvolle Meteoriten im Sonnensystem auf. Diese steuern erstaunlich genau auf die Küstengebiete vor großen Metropolen der Welt zu. Tokio, New York aber auch Los Angeles.
Glaubte man anfänglich an ein natürliches Phänomen, wird dem Militär schnell klar, dass es sich hier um den Angriff eines unbekannten Aggressors handelt.
Alle verfügbaren Kräfte des Militärs werden in Marsch gesetzt um der Bedrohung entgegen zu wirken. Staff Sergeant Nantz wird mit seiner Einheit der Verteidigung Los Angeles zugeteilt. Ihre Aufgabe, das Retten von Zivilisten in den umkämpften Gebieten. Nach etlichen Verlusten bei ihrer Mission, entdecken sie plötzlich eine Achillesferse mit der die bisher übermächtigen Aliens geschlagen werden könnten. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Als großer Skeptiker in Sachen amerikanischer Kriegsfilme, bin ich mit recht niedrigen Erwartungen an den Streifen ran gegangen. Zum Teil wurde meine Meinungen bestätigt zum anderen konnte „Battle Los Angeles“ auch überzeugen. Beginnen wir am besten mit den negativen Punkten.

Schwerwiegendster Fakt, der Pathos. Ganz ehrlich, ich kann es als deutscher Zuschauer schon gar nicht mehr hören. Wir US-Marines sind die Besten, die Tollsten, die Stärksten. Mag sein das man mich jetzt jenseits des großen Teiches als verkappten und durch den 2. Weltkrieg vorbelasteten Deutschen abstempelt. Aber mal ehrlich Jungs, geht Euch das nicht auch auf den Zeiger? Als Kind hätte ich gesagt: „Eigenlob stinkt“, würde man danach gehen müssten US-Militärs permanent mit Gasmaske rumlaufen und bei Kriegsfilmen im TV sollte man am besten „Dauerwerbesendung“ einblenden. Naja, aber was soll es, so sind sie nun mal.

Was die eigentliche Story angeht, konnte man einen sehr spannenden Handlungsbogen aufbauen. Mir hat besonders gefallen, dass man sich mit LA auf nur einen Schauplatz und nur eine Gruppe an Akteuren konzentriert hat. Man entwickelt eine Beziehung vor allem zu Staff Sergeant Nantz und möchte trotz einiger Längen des fast zweistündigen Films wissen, wie er die Aliens ausschaltet.
Dass er die Aliens ausschaltet, steht natürlich von Beginn an außer Frage bei solchen Filmen, was wiederum eine kleine Schwäche ist.

Insgesamt also großes Popcorn-Kino mit nicht allzu viel Anspruch, Unmengen von Knall, Rauch und Effekten aber auch einer tragenden, spannenden Handlung welche bis zum Schluss fesselt.
In diesem Sinne, ein Film den man sich mal angesehen haben kann, der aber nicht unbedingt als Silberling in der heimischen Sammlung stehen muss.


Freitag, 27. April 2012

porNEOgrafische Kunst

Produziert mit der Unterstützung des deutsch/französischen Kultursenders ARTE und der Deutschen Telekom. Exklusive Kinopremiere im Berliner „SONY-Center“ am Potsdamer Platz.
Klingt alles sehr interessant, weshalb ich mich heute mal auf einen gerade mal 38minütigen Kurzfilm aus deutschen Landen eingelassen habe.

„Hotel Desire“

Antonia ist Mitte Zwanzig und als Dienstmädchen in einem renommierten fünf Sterne Hotel in der Hauptstadt angestellt. Als alleinerziehende Mutter eines siebenjährigen Sohnes ist ihr Leben so ziemlich vieles – chaotisch, hektisch aber auch eintönig und freudlos.
Als sie eines Morgens ihren Sohn zur Fernbushaltestelle in Richtung Paris bringt, wo dieser seinen Vater treffen soll, ist sie im Hotel bereits spät dran.
Prompt erscheint sie, wie vorher bereits öfters, zu spät zur Arbeit. Knapp am Rauswurf vorbei geschrammt, schüttet sie in der Umkleide einer Kollegin ihr Herz aus. Kurz darauf nimmt sie ganz normal ihre tägliche Arbeit als Zimmermädchen auf.
Was sie nicht wissen kann, zur Zeit residiert der blinde Maler Julius Pass im Hotel. Als sie die Suite des ihr unbekannten Gastes betritt, kommt es zu einer eher ungewöhnlichen Begegnung. Antonia nutzt die Chance um ein wenig mehr Leben, Lust und auch Freude in ihr Leben zu bringen. Sie verführt den blinden Maler, welcher bis vor wenigen Augenblicken nicht mal von ihrer Existenz im Zimmer wusste.

Mit den geringen Produktionskosten von gerade einmal 170.000 Euro bannte Regisseur Sergej Moya mit „Hotel Desire“ einen recht geradlinigen Kurzfilm auf Zelluloid, der vor allem auf sein zehnminütiges Finale, einer für Kinoverhältnisse recht explizite Sex-Szene hinarbeitet. Über die Ausführlichkeit der Liebesszene kann und wurde bereits viel diskutiert. Fakt ist, das die Geschlechtsteile von Antonia und Julius recht ausführlich beleuchtet werden, weswegen Sergej Moya seinen Film auch selbst als „porNEOgrafisch“ bezeichnet.
Die Bundesprüfstelle (FSK) sah es jedoch scheinbar nicht so eng, sprach dem Film ein gewisses Niveau zu und lies ihn „ab 16“ durchgehen.

Für meinen Geschmack entfaltet die Sex-Szene am Ende nicht genügen Atmosphäre um einen ganzen Kurzfilm damit zu rechtfertigen. Ich erkenne zwar die Ansätze des Regisseurs, dem Zuschauer das freudlose Leben vor Augen zu führen an. In der Summe reicht dies aber nicht um mich zu überzeugen.
Umso erstaunter war ich als der Film nun für Mitte Mai 2012 auf DVD und Blu-Ray angekündigt wurde. Ich glaube diesen Film braucht man nicht unbedingt in seiner Sammlung. Wer ihn trotzdem mal schauen möchte, kann dies auch bei der „Telekom“ eigenen Videoplattform „videoload.de“ tun.

Donnerstag, 26. April 2012

Intergalaktischer Totengräber

Ja nicht immer kann man nur in die Röhre schauen. In Ordnung, die große Leinwand tut es oftmals auch. Doch man mag es kaum glauben, ich lese manchmal auch noch Bücher! Tatsache!

Mein derzeitiger Buchausflug führt mich auf die Spuren eines sogenannten Thanatologen. Was? Ihr wisst nicht was ein Thanatologe ist? Dieser Begriff bezeichnet ganz einfach einen erwerbsmäßigen Totengräber. Ein Beruf der sicherlich weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart sehr häufig anzutreffen ist. Ganz anders in der Zukunft …

Der Kahlsack - ein weiträumiger Sternenhaufen in den unendlich weiten der Galaxie und trotzdem isoliert wie eine Insel in mitten des Ozean. Abgegrenzt durch unzählige Schwarze Löcher, Staubwolken und geheimnisvolle Nebel, hat sich im Kahlsack eine illustre Anzahl von Völkern entwickelt. Eines unterschiedlicher wie das andere. Von insektenartigen Mehrfüßlern über behäbige Baumwesen bis zu ganz normalen Menschenähnlichen, im Sternenhaufen wimmelt es vor Leben.
Mitten unter ihnen lebt das Volk der Thanatologen, welches über alle Planetengrenzen hinweg von den Völkern akzeptiert und geachtet wird.
Hier eine rituelle Tötungszeremonie am bereits zu lange herrschenden König oder da ein heimtückischer Mord an einer zu Unrecht verehrten Gottesfigur. Die intergalaktischen Totengräber sind schwer beschäftigte Leute mit festen Regeln und Ritualen.

Mit seiner hochgewachsenen Gestalt und dem typischen langen Mantel, bestehend aus einem lederartigen Material, ist Turil nur einer von zahllosen Totengräbern im Kahlsack. Zusammen mit seiner Schiffssphäre, der GELFAR, ist er derzeit gerade in den Weiten des Alls unterwegs um den Baumwesen auf einer eher unbedeutenden Welt, von ihrem seit hunderten Jahren regierenden Herrscher zu befreien. Nur so ist das erneute Austreiben junger, unverbrauchter Baumlinge möglich.
Während sich Turil jedoch in der Hauptstadt um eine möglichst standesgemäße Zeremonie bemüht, landet auf der anderen Seite des Planeten ein Erkundungsschiff der Kitar. Einem geheimnisvollem Volk aus den Randbereichen des Kahlsack. Ungehemmte Brutalität und Zerstörungswut, hierfür sind die Kitar bekannt. Doch was wollen sie hier auf diesem friedlichen Planeten. Hat eventuell Turil etwas mit ihrem Erscheinen zu tun?

Die anfangs durchaus etwas makaber klingende Handlung um einen Totengräber in den Weiten des Alls funktioniert in der Geschichte von Michael Marcus Thurner erstaunlich gut.

Vor allem die mit sehr viel Fantasy beschriebenen Welten, Völker und Figuren überraschen immer wieder. Wo holt der Autor nur solche Ideen her? Ein weiterer Pluspunkt ist auch der Schreibstil von Thurner. Mit erstaunlich wenigen Lehnwörtern aus dem Englischen, nutzt er das Potenzial der deutschen Sprache weit mehr aus als die meisten anderen Autoren die ich bisher gelesen habe. Die Texte wirken zwar einfach gestrickt aber erfrischend anders.
Wir wollen aber nicht nur loben sondern auch ein wenig Kritik üben. So bietet der Anfang des Romans zwar einen packenden Einstieg, leider muss man als Leser in der Mitte der etwa 400 seitigen Geschichte einige Längen in der Erzählung hinnehmen. Glücklicherweise schafft es das letzte Drittel von „Turils Reise“ dann doch noch zum furiosen Einstand aufzuschließen und dem Leser eine spannende wie auch überraschende Auflösung der Story zu bieten.

Trotzdem. Auch wenn es den ein oder anderen Unkenruf gibt. Mit „Turils Reise“ ist Michael Marcus Thurner ein toller Science Fiction Roman geglückt und dies auch mal außerhalb einer wöchentlichen Heftserie wie „Perry Rhodan“ für die Thurner bisher ausschließlich schrieb.
Mal schauen, vielleicht lese ich auch noch den Nachfolgeroman mit dem Titel „Plasmawelt“.

Mittwoch, 25. April 2012

Neues Wertungssystem

Heute gibt es mal keine aktuelle Filmkritik und auch keine kleine Anekdote aus dem Alltag.
Für Filme ist in dieser Woche leider zu wenig Zeit und auch lustige Begebenheiten sind mir heute nicht über den Weg gelaufen.

Stattdessen möchte ich Euch unser neues Bewertungssystem vorstellen!

Da ich doch recht oft Kritiken zu gerade gesehenen Filmen schreibe, bietet sich ein kleines Wertungssystem für den schnellen Überblick an. Wisst Ihr in Zukunft also mal nach all meinen Worten nicht: „Fand er den Film nun gut oder nicht?“, zeigt das Barometer am Ende einer jeden Kritik nun an, was ich in der Gesamtheit von dem Film hielt.

Alle Beiträge hier im Blog welche seit dem 01.März 2012 geschrieben wurden, habe ich rückwirkend noch umgestellt. Ältere werden nicht mehr berücksichtigt. In Zukunft wird aber jeder Filmbeitrag eine Wertung bekommen.


Hier unsere sechs Stufen im Überblick:

Diesen Film muss man einfach gesehen haben. Handlung, Stimmung und Atmosphäre hier passt alles. Was will man mehr … unbedingt anschauen!


Diesen Film sollte man gesehen haben. Tolle Unterhaltung mit leichten Abstrichen entweder bei der Atmosphäre, der Handlung oder den Schauspielern. Trotzdem, reinschauen lohnt sich!


Solide Unterhaltung im abendfüllenden Format. Der Regisseur beherrscht sein Handwerk!


Enttäuschende Vorstellung. Hier hätte ich mehr erwartet. Diesen Film muss man nicht gesehen haben.


Kurz vor der Nullnummer. Diesen Film rettet lediglich ein Teil der Handlung, ein guter Schauspieler oder der ein oder andere Spezialeffekt. Finger weg!


So etwas kommt mir nicht noch einmal in den DVD- oder Blu-Ray Player. So einen Film sollte man sich nicht mal kostenlos vom Freund leihen!


Samstag, 21. April 2012

Wenn das Niveau überhandnimmt

Ich gebe es zu, am heutigen Abend bin ich auf meinen Meister gestoßen.
Ein Film, der auf etlichen Filmfestivals hoch gepriesen wurde und einen Regisseur mit viel Vorschusslorbeeren vorzuweisen hat. Ich habe dem Film trotzdem nichts abgewinnen können.

„Dogville“

Wir schreiben die 1930er Jahre. Die Weltwirtschaftskrise zeigt vor allem in den aufstrebenden USA ihre hässliche Fratze. Auch Dogville, einem kleinen Dorf am Rande der Rocky Mountains geht es da nicht viel besser.
Hier lebt Tom Edison, ein junger Hobbyautor. Immer mal wieder stellt der junge Tom neue Thesen über sich, die Menschen und deren Wesen auf und versucht daraufhin das gesamte Dorf im Gemeindehaus davon zu überzeugen.
Seine neuste Vermutung: Menschen hätten ein Problem damit Geschenke anzunehmen und mit diesen umzugehen.
Gerade recht als Beispiel für seine These kommt die junge Grace in die Stadt. Gehetzt von bislang unbekannten Verfolgern, versteckt Tom sie vor ihren Peinigern. Später versucht er Grace in die Gemeinschaft der Dorfbewohner einzubringen. Mit sehr viel Skepsis billigen ihr die Einwohner zwei Wochen Bleiberecht zu. Tom empfiehlt ihr, sich bei den Bewohnern durch Hilfsdienste beliebt zu machen.
Doch sehr schnell zeigt sich mal wieder das wahre Wesen der Menschen, als diese beginnen Grace schamlos auszunutzen.

Unter anderem als Kritik am menschlichen Wesen gedacht, spielt der gesamte Film in recht kargen Theaterkulissen und nicht wie gewohnt an echten Schauplätzen.
Lars von Trier wählte diese minimalistische Aufmachung sowie die Einteilung in neun streng abgegrenzte Kapitel absichtlich um damit besser auf den Inhalt der Handlung hinarbeiten zu können.
So sehr ich ein Freund von experimentellen Ideen und Ansätzen bin, ich fand die Kulissen von der ersten Minute an eher langweilig und wenig dienlich. Einen fast dreistündigen Film in immer den gleichen Theaterkulissen handeln zu lassen, ist auf der Mattscheibe ohne das Flair eines echten Theaters einfach nur langweilig und nerv tötend
So fand ich auch den Kommentar eines Filmkritikers sehr passend, welchen ich vor einiger Zeit über „Dogville“ las. Die einen Zuschauer wird der neue Film von Lars von Trier aus dem Kinosaal treiben, die anderen werden eine wahre Offenbarung erleben.

Tja, schade dass es für mich keine Offenbarung gab. Mich hat es dann nach zwei Stunden tatsächlich von der DVD-Couch getrieben. Der Film ist meines Erachtens stinklangweilig auch wenn eine Nicole Kidman sicherlich nicht oft in einer europäischen Koproduktion zu sehen ist.
Sorry Lars von Trier …. nächste Woche ist wieder Hollywood dran!